Zwei neue CDs:
LICHT!
Hildegard von Bingen/Arr. Christina Meißner und solo Cello
John Palmer Komposition Lux-Tetralogie
Release am 24.4.2026
Wo bin ich?
Christina Meißner: Komposition, Cello, Stimme, Elektronik
Release am 27.2.2026
Zwei neue CDs:
LICHT!
Hildegard von Bingen/Arr. Christina Meißner und solo Cello
John Palmer Komposition Lux-Tetralogie
Release am 24.4.2026
Wo bin ich?
Christina Meißner: Komposition, Cello, Stimme, Elektronik
Release am 27.2.2026
Buchpräsentation anlässlich der Befreiung des KZ Buchenwald vor 80 Jahren Christian Rothe – „BUCHENWALD – Im Dickicht vom Ettersberg“
zusammen mit Claudia Buder Akkordeon (farve contorno)
zamus: early music festival, zusammen mit Lichtkunst (Jörg Becker)
Uraufführung John Palmer Lux Obscura
IRRLICHTER
klangwerk am bauhaus
Zwei Uraufführungen:
Marcus Aydintan: Irrlichter
Peter Helmut Lang: Das letzte Gesicht
Vortrag von W. Daniel Wilson (London): Dr. Fausts Höllenzwang
solo
Uraufführung John Palmer LUX SERENA
DIE GROSSE REISE – EIN MELODRAM FÜR DIE GEGENWART Uraufführung
Kunstfest, klangwerk am bauhaus
sopra die noi...
mit dem Ensemble Reflexion K
sopra die noi...
mit dem Ensemble Reflexion K
Festival Klangwerkstatt Berlin
opening Festival, farve contorno (Duo mit Akkordeon)
Uraufführung Chaya Czernowin Gradual Edge, Version für Cello und Akkordeon
solo
entfällt
Ensemble klangwerk am bauhaus
Uraufführung Chaya Czernowin, Adiantum Capillus Veneris III, Cello solo
solo
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solo
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solo
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Duo mit Martin Sturm Orgel
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Duo mit Martin Sturm Orgel
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solo
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solo
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solo
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Duo (farve contorno) mit Claudia Buder Akkordeon
entfällt
Gebet des Klanges III - zum 90. Geburtstag von Sofia Gubaidulina (Sieben Worte)
Kunstfest Weimar, Herz-Jesu-Kirche
Kammerorchester Staatskapelle Weimar, Soli Christina Meißner und Claudia Buder
solo
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Vernissage
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solo
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solo
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Duo mit Orgel
entfällt
solo
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CD-Release-Konzert: ISPARIZ. eine Vision
entfällt
solo
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solo
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solo
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solo
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Duo mit Orgel
entfällt
solo
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Duo mit Akkordeon
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klangwerk am bauhaus
entfällt
solo
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solo
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Duo mit Klavier
entfällt
Duo mit Klavier
entfällt
Duo mit Klavier
entfällt
klangwerk am bauhaus
entfällt
Duo mit Noa Frenkel
(TerraCellum)
Vernissage
(Das Bauhaus in Bildern)
Vernissage
(Wieland Schmiedel)
farve contorno, duo mit Akkordeon
(Claudia Buder)
duo mit Orgel
(Poul Skjølstrup Larsen)
duo mit Orgel
(Poul Skjølstrup Larsen)
duo mit Gesang
(Noa Frenkel - Den Haag)
solo mit Lesung
(Dorothea Baltzer)
solo mit Lesung
(Dorothea Baltzer)
Chants by Hildegard von Bingen and new compositions in dialogue
Christina Meißner: Cello, vocals, and arrangements
John Palmer: Composition
Sargasso Catalog number SCD28098
www.sargasso.com
Cum erubuerint
Hildegard von Bingen/Christina Meißner
Lux Vivens
John Palmer
O deus, quis es tu
Hildegard von Bingen/Christina Meißner
Lux Ardens
John Palmer
Karitas habundat
Hildegard von Bingen/Christina Meißner
Lux Obscura
John Palmer
O rubor sanguinis
Hildegard von Bingen/Christina Meißner
Lux Serena
John Palmer
Aer enim volat
Hildegard von Bingen/Christina Meißner
Recorded by John Palmer at Zionskirche Bethel, Bielefeld and at Versöhnungskirche, Stuttgart, Germany.
Produced by John Palmer at Vision Studio, Stuttgart.
Transzendenz ins Magische – Licht als Klang, Schatten und spirituelle Resonanz
Sargasso kündigt mit großer Freude die Veröffentlichung von LICHT! an, einer eindringlichen und tief reflektierten neuen Einspielung der Cellistin Christina Meißner, die die visionären Gesänge Hildegard von Bingens (1098–1179) in einen Dialog mit einer neu entstandenen Tetralogie des zeitgenössischen Komponisten John Palmer bringt.
Nach ihrer vielbeachteten Veröffentlichung ISPARIZ. eine Vision setzt Meißner ihre Auseinandersetzung mit Hildegards Klangkosmos fort und eröffnet neue Verbindungen zwischen mittelalterlicher Spiritualität und zeitgenössischer Musiksprache. Das Ergebnis ist ein immersives Hörerlebnis, das die Intensität einer Live-Aufführung widerspiegelt, in der die Zeit stillzustehen scheint und Klang zum Raum der Begegnung wird.
Im Zentrum dieses Projekts steht ein gemeinsamer spiritueller Impuls, der Jahrhunderte überbrückt: die Suche nach Erleuchtung, nach innerem und äußerem Licht und nach Sinn jenseits der Unmittelbarkeit des Alltags. Hildegards ekstatische, visionäre Melodien begegnen Palmers unverwechselbarer Klangwelt und formen einen Transformationszyklus, in dem Licht als Metapher, als Material und als gelebte Erfahrung erscheint.Meißners einzigartiger Ansatz hebt die traditionelle Hierarchie zwischen Stimme und Instrument auf. In ihren Bearbeitungen von Hildegards Gesängen werden Cello und Stimme zu gleichwertigen, ineinander verwobenen Klanggestalten: Atem, Resonanz und Geste entfalten sich in einem gemeinsamen klanglichen Raum. Subtile zeitliche Verschiebungen und eine feine Sensibilität für Klangfarbe schaffen eine lebendige, organische Textur, in der Klang fortwährend neu bestimmt wird.
Als Rahmen dieser Neuimaginationsprozesse erkunden John Palmers Lux Vivens, Lux Ardens, Lux Obscura und Lux Serena, eigens für Meißner komponiert, das Licht als Bedingung von Wahrnehmung und Verwandlung. Jedes Werk entfaltet einen eigenen klanglichen und spirituellen Zustand, inspiriert von Hildegards Visionen: von strahlendem Hervortreten über brennende Intensität bis hin zu verschatteter Tiefe und fragiler Gelassenheit. Unter Einbeziehung erweiterter Spieltechniken und in enger künstlerischer Zusammenarbeit mit der Cellistin entwickelt sich Palmers Musik zu einem Prisma aus Licht und Resonanz, in dem Klang sowohl als physische Präsenz als auch als metaphysische Reflexion erfahrbar wird.
Die Aufnahme durchläuft Zyklen von Erhellung und Verdunkelung, von Erscheinung und Auflösung. Licht ist hier nicht bloß Helligkeit, sondern eine Schwelle, untrennbar verbunden mit Schatten, mit Ungewissheit und mit dem Unbekannten. In diesem Wechselspiel wird LICHT! nicht zur Darstellung von Licht, sondern zu einer Einladung, dessen Entfaltung zu erleben: als Schwingung, als Energie und als gemeinsamer Akt des Hörens.
Mit LICHT! ist der Cellistin Christina Meißner eine Aufnahme von seltener Intensität gelungen – ein Album, das nicht einfach gehört, sondern durchschritten wird wie ein spiritueller Raum aus Klang, Atem, Schatten und innerem Leuchten. Gemeinsam mit dem zeitgenössischen Komponisten John Palmer eröffnet sie einen Dialog über die Jahrhunderte hinweg, in dessen Zentrum die Visionen Hildegard von Bingens stehen: Visionen von Licht, Verwandlung, Trost und Transzendenz. Schon die ersten Töne von Cum erubuerint ziehen den Hörer in einen Zustand schwebender Wachheit hinein. Meißners Stimme legt sich wie ein zarter Schatten über den warm leuchtenden Celloklang, bis beide Ebenen nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Hier entsteht etwas Außergewöhnliches: Klang wird nicht bloß interpretiert, sondern verwandelt sich in einen Ort der Begegnung zwischen Mittelalter und Gegenwart, Körper und Geist, Sichtbarem und Unsichtbarem. Die Größe dieser Einspielung liegt gerade darin, dass sie sich jeder bloßen Gegenüberstellung von alter und neuer Musik entzieht. Palmers Lux-Tetralogie – Lux Vivens, Lux Ardens, Lux Obscura und Lux Serena – wirkt nicht wie ein Kommentar zu Hildegard, sondern wie eine Fortsetzung ihres visionären Denkens mit den Mitteln heutiger Klangsprache. Die Musik tastet sich an Grenzbereiche der Wahrnehmung heran: flirrende Mikrointervalle, eruptive Klanggesten, dunkle Resonanzen und fragile Ruhepunkte bilden ein Prisma aus Licht und Schatten. Dabei entfaltet jede Komposition ihren eigenen spirituellen Zustand – vom strahlenden Aufbruch über brennende Intensität bis hin zu jenem geheimnisvollen Dunkel, in dem Licht erst seine eigentliche Tiefe gewinnt. Besonders beeindruckend ist, wie organisch Christina Meißner beide Welten miteinander verbindet. Ihr Spiel besitzt eine beinahe physische Ausdruckskraft und zugleich eine große Innigkeit. Die erweiterten Spieltechniken wirken niemals experimentell um ihrer selbst willen; vielmehr scheinen sie aus dem Innersten der Musik hervorzuwachsen. Jeder Ton trägt Bedeutung, jede Geste wird zum Ausdruck existenzieller Suche. Dass Meißner zugleich singt und spielt, hebt die gewohnte Trennung zwischen Stimme und Instrument auf. Das Cello beginnt zu atmen, die Stimme beginnt zu schwingen wie ein weiteres Saitenregister – eine faszinierende Einheit aus Klang und Resonanz. Dabei entwickelt LICHT! eine erstaunliche emotionale Spannweite. In Lux Ardens lodern Klangblitze durch die Dunkelheit wie innere Feuer der Ekstase oder Verzweiflung. Lux Obscura führt in Regionen des Geräuschhaften und Abgründigen, wo sich Licht nur noch als Erinnerung oder Ahnung zeigt. Umso berührender wirken dann Hildegards Gesänge, deren melodische Schlichtheit wie ein warmer Gegenpol erscheint – nicht naiv, sondern von tiefer menschlicher Erfahrung getragen. Und schließlich öffnet Lux Serena einen Raum fragiler Gelassenheit: keine triumphierende Erlösung, sondern ein tastendes, stilles Weitergehen ins Offene. Die Aufnahme besitzt dabei eine beinahe liturgische Atmosphäre. Die Kirchenräume von Bethel-Bielefeld und Stuttgart werden selbst zu Resonanzkörpern dieser Musik. Man hört nicht nur Töne, sondern Räume, Nachhall, Stille – jene kostbaren Zwischenräume, in denen sich das Unsagbare andeutet. LICHT! ist weit mehr als ein Konzeptalbum über Licht. Es ist eine Meditation über die menschliche Sehnsucht nach Sinn, Trost und innerer Verwandlung in einer zerrissenen Welt. Christina Meißner und John Palmer gelingt das seltene Kunststück, Musik zugleich hochreflektiert und zutiefst unmittelbar erfahrbar zu machen. Diese Aufnahme führt nicht aus der Realität hinaus, sondern lässt sie in neuem Licht erscheinen – geheimnisvoller, verletzlicher und zugleich hoffnungsvoller. So bleibt am Ende nicht das Gefühl eines abgeschlossenen Werkes, sondern einer geöffneten Tür: hinein in einen Klangraum, in dem Licht und Schatten, Vergangenheit und Gegenwart, Spiritualität und Gegenwartskunst auf magische Weise eins werden.
Christina Meißner: Composition, cello, vocals, electronics
John Palmer: Recording and production, Vision Studio, Heilbronn/Stuttgart
Commissioned by Deutschlandfunk, Frank Kämpfer, Atelier neuer Musik
Sargasso SCD28097, www.sargasso.com
Musik aus dem minimalen Raum
Sargasso freut sich sehr, die Veröffentlichung von Wo bin ich? bekanntzugeben, einer akusmatischen Arbeit von außergewöhnlicher Konzentration der Cellistin und Komponistin Christina Meißner, entstanden während des COVID-19-Lockdowns als Auftragswerk für den Deutschlandfunk. Ausgangspunkt ist ein Essay von Bruno Latour, der die Frage „Wo bin ich?“ nicht als Distanz zur Welt, sondern als radikale Nähe versteht, als aufmerksames Hinhören auf das unmittelbar Gegebene.
Diese Perspektive überträgt Meißner auf ihr Instrument durch eine strenge physische Beschränkung: einen Spielraum von einem Zentimeter. Innerhalb dieses minimalen Bereichs entstehen aus mikroskopischen Bogenbewegungen, feinsten Druckveränderungen und kaum wahrnehmbaren Kontaktverschiebungen dichte und unvorhersehbare Klangkonstellationen. Die Klänge treten nicht als expressive Gesten auf, sondern als autonome Partikel, die Isolation nicht erzählen, sondern als klangliche Spur tragen.
Als international profilierte Interpretin zeitgenössischer Musik und enge Partnerin zahlreicher Komponistinnen und Komponisten legt Christina Meißner hier ihre erste großformatige eigene Komposition vor. Sie begreift das Cello zugleich als Instrument und Forschungsraum, als Ort konzentrierten Hörens. Fragmentierte Spuren einer Stimme erscheinen lediglich als Klangmaterial und erweitern den akusmatischen Raum ohne narrative Funktion. Der Titel formuliert keine Aussage, sondern markiert eine Hörhaltung. Was aus äußerster Begrenzung entsteht, entfaltet sich im Hören zu Resonanz und räumlicher Weite und erinnert daran, dass selbst der kleinste Raum ein ganzes Universum enthalten kann.
Die alten Gesänge der Hildegard von Bingen und Sofia Gubaidulina von der Cellistin für Cello solo arrangiert, neue Werke für Hildegard und das Cello von Lisa Streich, Esaias Järnegard, Martin Rane Bauck und Joseph Andrew Lake im Dialog.
Max Nyffeler
Beckmesser’s Choice
Ausgewählte Scheiben neuer Musik
Huldigung an Hildegard
Die CDs der Weimarer Cellistin Christina Meißner zeichnen sich durch eine originelle, oft thematisch gebundene Werkauswahl aus. 2008 standen Bach, Elliott Carter und Artur Schnabel neben Arrangements von mittelalterlichen Troubadourgesängen. Und auch ihre neueste, in einem Kirchenraum aufgenommene CD-Produktion blickt nun auf das zwölfte Jahrhundert zurück. Unter dem Titel „Ispariz“ („Geist“) vereinigt sie sechs Kompositionen, die sich alle in irgendeiner Weise auf Hildegard beziehen und mit Originalmelodien der komponierenden Heiligen abwechseln. Wobei das Wort „original“ mit Vorsicht zu genießen ist; die Wissenschaft ist geteilter Meinung über die Echtheit vieler ihr zugeschriebener Stücke. Aber sei’s drum. Wie die Cellistin mit diesen Vorlagen umgeht, verrät eine große Souveränität in der Gestaltung der Linie. Sie führt einen lebendigen Dialog mit dem Raum. Konzentriert horcht sie den Klängen nach, die sich schwebend, im ruhigen Rhythmus des Atems, im Raum ausbreiten. Eine meditative, entspannte Atmosphäre prägt auch die Interpretation der neuen Stücke. Sie stammen von Sofia Gubaidulina, Esaias Järnegard, Martin Rane Bauck, Joseph Andrew Lake und Lisa Streich. Letztere ist gleich mit zwei Werken vertreten. Sie und die Cellistin sind offensichtlich Geistesverwandte, denn die Stücke der drei Männer kamen auf Streichs Empfehlung in dieses Doppelalbum.
ISPARIZ – eine Vision, Christina Meißner, Violoncello, Altenburg: Querstand, 2020.
Dirk Wieschollek
Nachrichten aus dem Inneren
Neuerscheinungen zeitgenössischer Musik zwischen Kontemplation und Experiment
Die Weimarer Cellistin Christina Meißner bringt mit schöner Regelmäßigkeit alte und neue Musik in beziehungsreich kreierten Solo-Programmen zusammen. Ihre aktuelle Auseinandersetzung mit Hildegard von Bingen verkörpert gleich in doppelter Weise einen Gegenentwurf zur momentanen Reizüberflutung in Leben und Kunst: Meißner hat zum einen Gesänge der komponierenden Universalgelehrten atmosphärisch gewinnbringend für ihr Instrument eingerichtet. Diese bilden dann in „Ispariz“ („Geist“ in Bingens „Lingua Ignota“) die spirituelle Basis für kontemplative Auftragswerke. Die tauchen tief in die Klangformung ab, ohne dabei in Stereotypen „unkonventioneller“ Artikulation zu verfallen. Der schwedische Komponist Esaias Järnegard verbindet in „à Sibyl – Mone“ (2019) Augenblicke musikalischer Ekstase mit schamanischem Einsatz der Stimme zu einem quasi archaischen Klangritual. Die schon dort elementaren Gesten an den Rändern der Wahrnehmbarkeit werden auf die Spitze der Dünnhäutigkeit getrieben in Martin Rane Baucks „The air from afar“ (2018). Auch Lisa Streich ist bekannt für ihre spirituell inspirierten Klangdramaturgien: „FLEISCH“ (2017) widmet sich mit harten perkussiven „Nagel“-Schlägen, schreienden Eruptionen und fiebrigen Obertongeweben der Kreuzigung als Schmerzzustand, an dessen Ende in fahlen Dissonanzen die Entrückung steht. Ein Werden und Vergehen brüchiger Oberton-Klanginseln bestimmt auch „I am a clock“ (2018) von Joseph Andrew Lake, ein Ein- und Ausatmen von Klang in völliger Entzeitlichung, das minimalistischer kaum denkbar ist. Über allem aber schwebt der visionäre Geist der Lobgesänge Hildegard von Bingens, Einladungen zur Kontemplation, deren zerbrechliche Mischwesen aus Ton- und Geräuschklang Christina Meißner so intensiv und zugleich mikroskopisch ausdifferenziert spielt, dass man jede einzelne Faser der „Materie“ Cello zu hören glaubt.
Barbara Stühlmeyer
In Dir singt und spielt der Heilige Geist
Neue Zugänge zu Hildegard
Ispariz ist ein Wort aus der Lingua ignota, der unbekannten Sprache Hildegards von Bingen, der sechste in der Reihe jener Begriffe, die Hildegard, die auf so vielfältige Weise Lichtnetzwerke aus Worten und Tönen wob, kreierte. Geist, Heiliger Geist steht nach Gott, Engel, Heiliger, Erlöser und Teufel und vor Mensch. Schon mit dieser Ordnung macht die Visionärin klar, in welchem Bezugsfeld menschliches Leben sich abspielt. Hildegards Schriften sind schauende und sprechende, ihre Musik klingende Theologie. Und genau dies wird auch in der vorliegenden Doppel CD deutlich, auf der Christina Meißner, renommierte Cellistin, mit ihrem Instrument nicht nur Kaskaden differenzierter Tonwelten hervorbringt, sondern Räume schafft, in denen klangliches Erleben neue Welten öffnet. Auf zwei Tonträgern kombiniert Meißner Hildegards Werke, die dem Cello natürlich sind, weil dessen der Stimme so eng verwandter Klang ihre Umsetzung geradezu zwingend nahelegt, mit zeitgenössischen Kompositionen. Deren oft hochkomplexe Textur verträgt sich auch deshalb so gut mit dem Oeuvre Hildegards, weil ihre Gesänge als klanggewordenes Gebet fokussierende Kraft entfalten, kristallisiertes Leuchten ausstrahlen, das in das Weite Land der Seele führt. Tatsächlich wird in Meißners Spiel – einer kongenialen Umsetzung eines Wortes aus Hildegards Gesängen: „in dir singt und spielt der Heilige Geist, denn du bist den Chören der Engel zugesellt“ – die enge Verwandtschaft der von ihr präsentierten Werke deutlich, die ihre Wurzeln in der Spiritualität haben. Dies gilt für Sofia Gubaidulinas „Aus den Visionen der Hildegard“, dessen Entstehungsprozess für die russische Komponistin wie ihr tonschöpferisches Tun überhaupt, Gebet war, ebenso wie für die von Meißner in Auftrag gegebenen Werke von Esaias Järnegard, Martin Rane Bauck, Lisa Streich und Joseph Andrew Lake. Das neue CD Projekt von Christina Meißner heißt nicht nur „Ispariz. Eine Vision“, es verkörpert tatsächlich eine – gottlob hörbare – Vision einer Art des Musizierens, die hochkünstlerisch und zugleich nicht artifiziell, sondern vollkommen natürlich ist, da Meißner auf eine tiefe Weise von innen her durchdringt, was sie spielt und so selbst zum Instrument der Werke wird, die sie gemeinsam mit ihrem Cello erklingen lässt. Das Ergebnis ist faszinierend, inspirierend und zeigt deutlich, warum Kultur zu jeder Zeit, aber gerade heute Not-wendig ist: sie öffnet die irdische Wirklichkeit für die Kraft des Geistes – Ispariz.
Claus Fischer
Und jetzt, Claus Fischer, was ganz Spezielles, eine Doppel-CD für Solo-Cello mit ausschließlich Neuer Musik…gewagt…
CF
Ja, das hat mich zunächst auch sehr verwundert! Also ich dachte mir, als ich das Album in Händen hatte, ob das wirklich geht? Also verkaufstechnisch ist es sicher recht gewagt, was das Altenburger Label querstand da gemacht hat, aber inhaltlich absolut faszinierend! Solistin ist die Cellistin Christina Meißner, die in Weimar zuhause ist, und die sich in letzten zwanzig einen sehr guten Ruf als Interpretin von Gegenwartsmusik erworben hat. Und die hier nun ihr erstes Solo-Konzept-Doppel-Album vorlegt, Titel ISPARIZ…
Mod
Was heißt das und was ist das Konzept?
CF
Ispariz kommt aus dem okzitanischen und bedeutet so viel wie „Geist“, also „Esprit“ kommt auch daher. Ja, und Christina Meißner hatte eine Vision. Sie hat nämlich visionären Gesänge der Nonne und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert ausführlich studiert. Das sind natürlich Gesänge auf Lateinisch für Frauenstimmen, also Gregorianischer Choral, zum Teil auch schon früh mehrstimmig. Und Christina Meißner kam nun auf den Gedanken, diese Gesänge für Solo-Cello zu bearbeiten und aufzuführen. Und die ziehen sich wie ein roter Faden durch diese CD…
Mod
Und das funktioniert wirklich?
CF
Absolut! Ich war selbst auch eher skeptisch, da ich als großer Freund mittelalterlicher Musik eigentlich Purist bin, also Bearbeitungen, noch dazu für moderne Instrumente, sind mir eigentlich suspekt. Aber Christinas Meißner trifft den Ton Hildegards perfekt. Fünf Gesänge bilden den roten Faden für die CD, die dazu sechs Werke von Gegenwartskomponisten enthält. Also ich würde mal den Hildegard-Gesang mit Christina Meißner vorstellen, der mich beim Hören am meisten beeindruckt hat: O eterne Deus, O ewiger Gott.
Spezial Musik Klassik 3 ISPARIZ - Hildegard von Bingen (2:25)
Mod
Eine Frau, ein Cello und eine mittelalterliche Komponistin – Christina Meißner spielte ein Werk von Hildegard von Bingen, zu finden auf der neuen CD mit dem Titel ISPARIZ…
CF
Unglaublich beeindruckend! Man denkt an einigen Stellen, dass da zwei oder drei Celli zusammenspielen. Also Christina Meißner singt mit ihrem Bogen mehrere Stimmen quasi, das Cello ist ja ein Instrument, mit dem man ganz wunderbar singen kann, das haben mir mehrere Cellisten im Interview schon bestätigt. Und diese Hildegard-Bearbeitungen sind allesamt absolut hörenswert, bei mir verursachen sie an einigen Stellen Gänsehaut…
Mod
Nun ist das Ganze ja eine Doppel-CD. Sie sagten, Claus, die Gesänge ziehen sich als „roter Faden“ durch, was ist sonst noch zu hören?
CF
Ein ganzer Kosmos an modernen Werken für Solo-Cello, größtenteils Werke, die für Christina Meißner komponiert worden sind. Die würden den Rahmen dieses Spezials zeitlich und auch stilistisch leider sprengen. Aber sie zeigen, was Christina Meißner mit ihren Hildegard-Bearbeitungen erreichen will, nämlich zwischen diesen modernen Werken Ruhepunkte zu schaffen, in denen sich der Hörer erholen kann und sich für neue experimentelle Klänge öffnen kann, und das funktioniert, finde ich sehr gut…
Mod
Dann bitte noch ein paar experimentelle Klangeindrücke…
CF
Gerne! Es gibt ein Werk auf der CD, das nur eine Minute lang ist, von der Komponistin Lisa Streich, es heißt Kolon, also Doppelpunkt, und das zeigt schon, dass es danach weitergeht, also ein Gedankensplitter, und den hören wir jetzt.
Spezial Musik Klassik 4 ISPARIZ - Lisa Streich, KOLON (1:00)
Mod
„Kolon“, eine Komposition von Lisa Streich mit der Weimarer Cellistin Christina Meißner, die CD heißt ISPARIZ und ist beim Label querstand in Altenburg erschienen.
Redaktion: Frank Kämpfer
Die Neue Platte/Neue Musik
Autorin: Yvonne Petitpierre
Sonntag 19. Juli 2020 / 9:10 Uhr
ISPARIZ – eine Vision
Christina Meißner, Violoncello und Arrangements
Mystische Klänge
Ein Cello erkundet Hildegard von Bingen
Als Kultfigur des Mittelalters prägt die Universalität der Hildegard von Bingen auch die Musikgeschichte. Ihre Lieder und Gesänge haben die Cellistin Christina Meißner zu einem Projekt inspiriert, dass an die Zeitlosigkeit der Mystikerin appelliert und gleichzeitig Komponisten der Gegenwart zu einer Stellungnahme auffordert. Beim Label Querstand ist soeben die ungewöhnliche Doppel-CD Ispariz – eine Vision erschienen.
Am Mikrophon Yvonne Petitpierre. Hildegard von Bingen, 1098 geboren, gilt bis heute als eine von Mythen umrankte Erscheinung in der deutschen Geschichte. Ihr visionäres Charisma und ihre aktive Teilnahme am öffentlichen, politischen und kirchlichen Leben scheint beispielhaft für die Emanzipation der Frauen. Als Universalgelehrte überschreitet sie Grenzen, die ihr als Frau von der patriachalen Kultur des christlichen Mittelalters gesetzt wurden. Mensch, Umwelt, Leib und Seele, alles steht laut Hildegard in stetiger Verbindung zueinander und darin wurzelt ihre immerwährende Aktualität. In ihrer spirituellen Gedankenwelt spielt auch die Musik eine maßgebliche Rolle, der sie sich als Autodidaktin zeitlebens intensiv gewidmet hat. Musik begreift sie als Suche des Menschen nach der Stimme des heiligen Geistes.
Jenseits der Zeitgrenzen
„Ich verfasste und sang Lieder und Melodien zum Lobe Gottes und der Heiligen ohne die Belehrung eines Menschen, obwohl ich niemals Neumen und Gesang erlernt hatte“, so das Selbstzeugnis der einstigen Äbtissin des von ihr gegründeten Benediktinerinnen-Klosters Ruperstberg. Als vielseitige und weitsichtige Geistliche appellierte sie stets an die Selbstverantwortlichkeit des Menschen. Gesang steht für sie in unmittelbarem Kontext der Gottesverehrung und ist immer auch Teil göttlicher Eingebung. Die Cellistin Christina Meißner fühlte sich inspiriert, diesen Geist, also ISPARIZ zu bewahren und auf die aktuelle Zeit zu übertragen. Vor diesem Hintergrund hat sie unter dem gleichnamigen Titel ISPARIZ - eine Vision ein Projekt konzipiert, in dem sie Gesänge der Hildegard von Bingen für Violoncello arrangiert und mit Musik der gegenwärtigen Komponistengeneration konfrontiert hat. Mit ihrem Rückgriff auf die mittelalterlichen Gesänge möchte Christina Meißner einen Gegenpol zur oft hochkomplexen zeitgenössischen Musik bilden. Die Nähe des Cellos zur menschlichen Stimme haben ihr die Arrangements nahegelegt, für deren Konfrontation sie diverse Kompositionen in Auftrag gegeben hat. Alle Werke werden hier als Weltersteinspielung in klanglich sinnlicher Interpretation und exzellenter Aufnahmequalität vorgestellt. Die CD eröffnet mit dem Gesang O frondens virga, dessen Text die Ehrfurcht des Menschen vor den Wundern der Schöpfung und Natur thematisiert. Musikalisch dominiert eine schlichte Melodie, die im Arrangement durch Christina Meißner noch intensiviert wird.
Ein erster Gegenpol zu diesen Raum greifenden Klängen kommt von Sofia Gubaidulina. 1994 und 2019 hat sie aus einer gefühlten Seelenverwandtschaft das Stück Aus den Visionen der Hildegard von Bingen für Alt solo komponiert und als einziges Werk dieser CD handelt es sich hier um keine Auftragskomposition. Die mental empfundene Nähe zur Universalgelehrten markiert nach eigenen Aussagen eine grundsätzlich zentrale Antriebsfeder für Gubaidulina’s künstlerisches Schaffen, denn „Komponieren ist für mich eine Art Gottesdienst. Komponieren heißt beten“. In ihrem Schaffen richtet sich der Blick häufig auf existentielle Fragen, wenn sie ein „Spannungsfeld aus expressiver Kraft und vertonter Stille eröffnet“, so Egbert Hiller im ungewöhnlich umfangreich informierenden Booklet zur Doppel-CD. Hildegard von Bingens kompositorischer Gestus diente Gubaidulina dabei als Ansatzpunkt. Die Vision als zentrales Moment spiritueller Erfahrung gestaltet sie in visionär konzipierten Klängen, die sie ihrem Komponistenkollegen Alfred Schnittke zu dessen 60. Geburtstag widmet.
Klang als Form der Existenz
Die, in Weimar lebende Cellistin Christina Meißner sucht für ihre Programme vorzugsweise nach grenzüberschreitenden Verbindungen zwischen alter und neuer Musik, die fasziniert und in den Bann ziehen kann. Mit Ausnahme des, sich explizit auf Hildegard von Bingen beziehenden Stückes von Sofia Gubaidulina, sind alle anderen Kompositionen innerhalb der letzten drei Jahre im Auftrag der Solistin entstanden
Ein Spiel mit unterschiedlichen Gegensätzen reflektiert der schwedische Komponist Esaias Järnegard, Jahrgang 1983 in seinem Cellostück à Sybil –Mōnë. Im Zentrum stehen Konfrontationen von existierenden Zuständen, die er zu verbinden sucht. Hoffnung und Trostlosigkeit oder Resignation und schreiendes Aufbegehren begegnen hier dynamisch variantenreich. Acht kurze Sätze fügen sich zu einem Ganzen. Klänge, die Järnegard als Zustand des Seins begreift, erkundet er hier in geheimnisvollen Räumen, in denen „Vergangenheit und Gegenwart durch die Hände und den Cellokörper der Interpretin ins Schwingen geraten sollen“.
Der Komponist will so eine mystischere und ursprünglichere Sphäre betreten. Neben dem Cello kommt hier auch Christina Meißners eigene Stimme zum Einsatz.
Die Dramaturgie der klangintensiven Einspielung, die trotz hochkontemplativer Momente auch mit dynamisch exzessiven Ausbrüchen konfrontiert, integriert erneut ein Lied der Hildegard von Bingen, das sich dem Lob Gottes verschreibt. Aer enim volat überträgt Christina Meißner mit großer auratischer und klanglich dichter Intensität auf das Cello, um den Atem als Lebensspender hörbar zu machen.
Nicht greifbar
Nach diesem atmosphärischen Moment greift die Cellistin auf eine Komposition des Norwegers Martin Rane Bauck, Jahrgang 1988 zurück. Sein Interesse gilt neben Texten von Franz Kafka der elektronischen Klangerzeugung, die er auf akustische Instrumente überträgt. The air from afar, so der Titel, arbeitet mit fixen Tonhöhen sowie Geräuschen, wobei das Cello husten, atmen und singen soll. Hildegard von Bingens Überlegungen zum Wesen der Musik lieferten ihm für das Stück einen wichtigen Impuls. Im Geräusch der Klänge möchte er für sich die Möglichkeit entdecken, mit fernen Liedern, fernen Stimmen, ferner Luft und einem mythischen Ursprung in Kontakt zu treten.
Zwischen Kreuzigung und Erlösung
Die schwedische Komponistin Lisa Streich, 1985 geboren, versucht ihrer tief empfundenen Spiritualität auf klanglicher Ebene Gestalt zu geben. Für das Projekt ISPARIZ, eine Vision, an dem sie auch hinsichtlich der beteiligten Komponisten beratend mitgewirkt hat, präsentiert sie zwei Kompositionen, die Stellung beziehen. Unter dem Titel Fleisch fasst sie Aspekte der Kreuzigung mit äußerst eindringlich pochender Intensität und lässt den Schmerz geradezu physisch erlebbar werden. Nach eigenen Aussagen versucht Streich „sich auf die Schnittstelle zwischen menschgewordenem Fleisch und metallenem Nagel zu konzentrieren“. Gegen Ende lässt ihre zunehmend zarter werdende Musik aber auch Kontemplation und Raum für eine Art Trost erkennen.
Ein Moment entscheidet
Im Mittelpunkt der zweiten CD dieses Doppelalbums steht das knapp 30 minütige Werk I am a clock des 1979 in Amerika geborenen Joseph Andrew Lake. Seine Kompositonssprache fokussiert vor allem den innermusikalischen Prozess einzelner Klänge zwischen Er- und Verklingen. Bookletautor Egbert Hiller verweist auf Lake’s unbeirrbare Geduld, mit der er „in Gefilde beständigen Suchens eintrete, um an jedem Punkt der Entstehung eines Stückes durch genaue Kontrolle und geistige Reflexion aus der Vielfalt der Möglichkeiten die einzig richtige herauszufiltern“. Seine Komposition beschreibt Christina Meißner als Zeitlupenakrobatik. Alles wirkt beinahe statisch und entwickelt in metrischen Rastern einen meditativen, fast sogartigen Gestus.
Soweit abschließend noch ein Ausschnitt aus I am a clock von Joseph Andrew Lake Vorgestellt wurde Ihnen heute das Projekt ISPARIZ-eine Vision von und mit der Cellistin Christina Meißner. Liturgische Gesänge und Melodien zum Lobe Gottes aus der Feder von Hildegard von Bingen werden auf dieser CD mit zeitgenössischen Auftragswerken kombiniert.
Alle Werke sind als Weltersteinspielung beim Label Querstand, der Verlagsgruppe Kamprad erschienen. Sie hörten einen Beitrag von Yvonne Petitpierre. Unter www.deutschlandradio.de können Sie diese Sendung noch 7 Tage lang nachhören. Oder darüber hinaus auf dieser Soundcloudseite:
https://soundcloud.com/christina-meissner/isparizdlfyvonne-petitpierre
Juli Zhu
Spirit. Or Ispariz, in Hildegard von Bingen’s invented language. Reader: allow a sincerity this once—there really is that intangible, the shadow of the invisible in Christina Meißner’s album of solo cello music. Beautifully mastered, dancing between Meißner’s own transcriptions of Hildegard’s twelfth-century vocal music and the sonic physicality of newly commissioned pieces, ISPARIZ. eine Vision is an extraordinary performance as well as an irenic, crafted experience.
The album is treated as such: one holistic artwork. From the first piece to the last, each Hildegard transcription creates space for the next new work, which echoes the Hildegard that just left our ears. All of which is of course intentional—Meißner communicated to the composers the specific Hildegard songs that perfumed her world. Et voilà, a through line of inspiration was established at the very beginning of the compositional process.
The first recording is Hildegard’s O frondens virga (O blooming branch) that literally bloomed in its large acoustic, ornamented by peripheral bird sounds around the gothic Løgumkloster Kirke in Denmark. The leaps in the song push and explore the massive space, the correct setting to allow the majesty in ancient music to breathe, while the bird sounds ground our imagination in a specific place, obviously existing in our current time—straddling old and new.
Next is Sofia Gubaidulina’s Aus den Visionen der Hildegard von Bingen, written in 1994 for Alfred Schnittke, which retains the same initial leap in the Hildegard, but it expands from the vocal range to the sonic realms of the cello, leaping larger and larger intervals, from the lowest notes of the cello to almost pious harmonics. Long leaps are metaphorical of faith, in divinity or simply in the cellist’s ability to grab onto the note. In the performance, one hears Meißner’s embodiment of the piece, the confidence and knowing, which she jokingly describes as being “a bit drunk in the hand.”
In the third piece titled à Sibyl – Mǒnē, by Esais Järnegard, the timbre is expanded even further with a palette of extended technique and the introduction of Meißner’s voice. Continuous glissandi between microtones in the lowest register echo the melismas of plainchant. It appears that this particular piece was closer mic’ed, picking up elements of the body—cello and human— hair, skin, wood. The guttural circular bowing around the bridge delves into explicit materiality, while also forcing the higher overtones to sparkle over the texture.
This trio of pieces is a perfect introduction to the album. Together, they first offer the space, context and architecture, then they open up the pitch material, and finally, they give way to density and texture, arriving at a world where reverberation and repetition rise above rhythmic variation, where one has to submit to an exposed pulse.
Closing out the first CD are two pairs of pieces, forming a direct dialogue between Hildegard and newly composed pieces. Martin Rane Bauck’s The air from afar is based on Hildegard’s Aer enim volat (for the air is fleet) and about “putting oneself in contact—through the noise of noise—with distant music, distant songs, distant voices, distant air—with a mythic beginning, and with the 12th-century hymn of Hildegard.” The piece is a series of exhalations, brisk upbows with marvelous momentum. The dry agility of the bow is apparent in the recording—it becomes like breath. The delicacy of hair is juxtaposed by the other side of the bow in the next piece. Lisa Streich’s FLEISCH starts with the wood of the bow hitting muted strings with fortissimo. Seemingly an extreme prolation of Hildegard’s O splendidissima gemma (O jewel resplendent), the repetitive battuto beating forces the listener to tune their ears to the changing higher overtones, convincing the percussive hit to lie instead in a place of meditation. During performance, Meißner’s lifted or dropped head indicates the transformation from internal to external, from playing for oneself to playing for the world. Again, the exquisite curation comes through in this quartet of pieces, from the transition between The air from afar and FLEISCH to the bookending Hildegard songs.
The second CD is another such quartet, beginning and ending with Hildegard songs, and in between, Joseph Andrew Lake’s I am a clock, and a second Lisa Streich, the miniature, coda-like KOLON. At just over 26 minutes, I am a clock is the centerpiece of the second half of the album and relies upon the sonic baptisms of the first half. The first note is held for exactly 60 seconds, and for the rest of the piece—almost entirely made up of dyads whose lengths are determined not in beats but by the length of bow and dynamics—time passes as events do in nature: constantly yet not always consistently. While sharp rhythm grabs, this alternative, stochastic meter lets go. There is a natural ebb and flow—one comes to it, as it does not seek attention. In live performance, however, there is the curiosity of the bow playing above the left hand nearer the nut, or between the fingers of the left hand, which unfortunately cannot be shown in a CD. It is appropriate that I am a clock feels like the culmination of an album—there’s an interiority present that seems to be Meißner’s overall message.
According to Meißner, the highest validation is when after a concert of the album, often in the same considered order, the audience does not clap after the last piece, Hildegard’s O eterne deus. They do not react, still internalizing. I am similarly stunned, and cannot recommend this album enough. To discover such mature compositional voices and ardent performance on an unfamiliar label—for that I am grateful. I hope more albums adopt Meisßner’s approach, pairing old with new, with the same studied attention to extramusical space and purpose.
Isang Yun Glissees
Peter Eötvös 2 Poems to Polly
Adriana Hölszky Nouns to nouns II
Salvatore Sciarrino Ai limiti della notte
René Mense Touch ... Windows
Bernd Alois Zimmermann 4 kurze Studien
Klaus Huber Rauhe Pinselspitze
Torsten Möller
When! Christina Meißner, cello solo. Works by Isang Yun, Peter Eötvös, Adriana Hölszky, Salvatore Sciarrino, René Mense, Bernd Alois Zimmermann and Klaus Huber. Querstand VKJK 1415
Isang Yun, Peter Eötvös, Adriana Hölszky or Klaus Huber. Those names are well known, sound familiar. In times when everybody is fighting to be special and the pure event replaces quality consciousness, such a publication might not catch much attention. People might say, those ladies and gentlemen are from another period, from times when people still believed in a better world and in Marxism.
Already in the first bars one stops thinking in those clichés. Isang Yun’s Glissées begins wonderfully soft and dry with pizzicato impulses! They immediately take the listener by the hand on a journey along extreme virtuosity (Touch... Windows by René Mense), very poetic passages including spoken words (Two Poems to Polly by Peter Eötvös), cranky miniatures (Nouns to Nouns II by Adriana Hölszky), and subtly wiped notes which open worlds of special atmospheres (Al limite della Notte by Salvatore Sciarrino).
Christina Meißner has already published a fascinating recording of Johann Sebastian Bach’s Cellosuite d-minor BVW 1008. On top of that she knows her way in contemporary music and its needs extraordinarily well as co-founder of the Weimar based ensemble Klangwerkstatt. She worked with Isang Yun, Helmut Lachenmann and Adriana Hölszky. Every note she recorded is full of this experience. Isang Yun’s diverse tone modifications can’t be heard in such differentiation very often. Almost infinitely fine are the nuances of the vibratos in Glissées and the big scale of dynamics sounds always under control. In all pieces Meißner’s special sound comes out. It is a narrative sound with a warm and soft kind of flexibility, which is unique among contemporary cello interprets.
The CD was released on Querstand, the classic label of Publishing Group Kamprad. The recordings took place in a private studio in Jena in order to serve the individual needs of the repertoire. In the liner notes Meißner thanks the sound engineer Harms Achtergarde for his “strong and loving way to put himself into the work and his precision power for musical ideal”. Both apply to her as well. That is how when! became a CD which brings together a repertoire of highest value and a technical and interpretative level that sets new standards. Three of the pieces (Rauhe Pinselstriche by Klaus Huber, touch... windows by René Mense, Al limite della notte by Salvatore Sciarrino) are recorded for the first time. So this recording meets the expectations even of the “innovation fanatics”.
Musik: 5
Technik: 5
Booklet: 4
Anonymus
Robins m’aime
Voici le mai
Por coi me bait mes maris?
Jehans de Braine
Par desous l’ombre d’un bois
Li Chastelain de Coucy
La dolce vois del roisignor salvage
Bearbeitung René Mense
Helmut Rohm, July 1st 2008
Music for cello with a very exceptional program
...recorded by the remarkably diverse cellist Christina Meißner, who has had her education in Weimar and Prague. On her new CD the artist recorded a repertoire of pieces written during an incredibly wide span of almost 1000 years. In 2001 Elliot Carter wrote the most recent composition. He is considered the father of American contemporary music and will celebrate his 100th birthday this year. Furthermore the CD contains the sixth cello-suite from Johann Sebastian Bach and a fascinating cello-sonata by Arthur Schnabel, who was world famous as a pianist in the first half of the 20th century... minnelieds from anonymous sources, with melodies originating from the 11th and 12th century. The young composer from Hamburg René Mense arranged them in a very skilled way.
Eleanor Büning, 2nd of June 2008
“Wild”
No cellist can avoid the solo suites of Bach. Now Christina Meißner included one on her third album as well, the sixth in D-major BWV 1012...
But Bach is only an additional ingredient of this conceptual album with the name „trouvailles“. In the pieces of the present, which the CD consists of – Elliott Carter’s tribute to Charles Ives, René Mense’s adaptations of French Troubadour-songs – Meißner can make use of her outstanding familiarity with contemporary music, which she gained as one of the founders of the ensemble “Klangwerkstatt Weimar”. The most beautiful treasure among her discoveries for cello solo is the complexly set and at the same time very virtuoso sonata, which the pianist Arthur Schnabel composed in 1930. A wild mixture.
Elleonore Büning, 2. Juni 2008
„Wild“ Kein Cellist kommt auf Dauer an Bachs Solosuiten vorbei. Jetzt hat auch Christina Meißner ihrem dritten Album eine einverleibt, die sechste in D-Dur BWV 1012... Aber Bach ist Zugabe, nicht Hauptattraktion dieses „trouvailles“ getauften Konzeptalbums. In Stücken der Jetztzeit, die dazu kombiniert sind – Elliott Carters Hommage an Charles Ives, René Menses Adaptionen von französischen Troubadourliedern – kann Meißner, die als Mitglied und Mitbegründerin des Ensembles klangwerkstatt weimar mit neuer Musik hervorragend vertraut ist, ihre Stärken ausspielen. Das Prunkstück unter ihren Fundstücken für Cello solo ist die satztechnisch komplexe, zugleich hochvirtuose Sonate, die der Pianist Artur Schnabel 1930 komponiert hat. Eine wilde Mischung.
Marita Emigholz, 27th of May 2008
“Trouvailles” is the name Christina Meißner, living in Weimar and having been educated there and in Prague, gave to her new CD: discoveries. The opener of the CD is Trouvères, a minnesong, which René Mense arranged for cello solo. The French word “Trouver” means to find as well as to invent, and what the Trouvèr Jehans de Braine found in his “Par descous lómbre dún bois“ is definitely worth to listen to...
CM’s repertoire comprehends old and new music, like on „Trouvailles“ as well. The two „Figments“ by the American composer Elliott Carter from 1994 and 2001 can be heard as well as the sonata for violoncello from 1931 by Arthur Schnabel, who moved from Vienna to Berlin in 1898 when he was sixteen years old aiming for a career as a pianist. He made a living from performing, but he saw composing, which he began with when he was six years old, as the true expression of his understanding of music. The second movement of his Cello-sonata starts as follows...
Arrangements of medieval Trouvère-songs, both of the „Figments“ by Elliott Carter, the Sonata for Violoncello by Arthur Schnabel and the sixth of the cellosuites of Johann Sebastian Bach can be heard on the CD „Trouvailles“ of the cellist CM. It is released on HOROS and contains a very nice tribute to the instrument cello, like the Sarabande of the sixth cello suite by Johann Sebastian Bach proofs...
Dr. Michael Oehme, 28th of April 2008
On her CD with the title “Trouvailles” (lucky inventions) the cellist Christina Meißner living in Weimar, is making love testimonies to the music itself, to our feelings and to the ways of expression of her wonderfully changeable solo instrument. The demanding program ranges from French minnesongs to Bach as well as Elliott Carter. A special discovery is the Sonata for violoncello by the famous pianist Arthur Schnabel.
December 2005
afri
Bitter and concentrated
When Benjamin Britten wrote the Cello Suites he had planned to create a modern complement to the suites of Bach therefore he intended to compose six suites of which he actually finished three. He wrote them for his friend Mstislaw Rostropowitsch who also performed them for the first time. He sets high measures which he fulfills with the density and expressivity of the composition. Christina Meißner is absolutely capable of the performance. Her personal way to read the music has a certain bitterness and concentration which surprise. For sure one could play the “Barcarola” of the third suite more elegant as well as the “Andante” of the second suite heartier and the “Fuge” of the same suite with less focus on structure but one could hardly be more touching.
December 2004/January 2005
Peter Sarkar
“Crescendo”-magazine December 2004/January 2005 Benjamin Britten: Cello-Suites Some of the essential cello pieces of the the 20th century repertoire are the cello-suites by Benjamin Britten written for Rostropowitsch, therefore many recordings of them exist. Three years ago I wrote about a recording by Truls Mørk on Virgin Classics. Now Christina Meißner brought out a recording on the small label from Dresden “Horos”. She is only known in central Germany. How unfair! Compared to Mørk, Meißner clearly scores higher, as she has a more plastic shape in her interpretation and takes more risks. Mørk tries to achieve clearness while Meißner tries to separate the layers of main content and the background from each other, which especially the fugues benefit from. She dares to play with extreme sounds as rough sounds and roaring crescendos. Mørk gives the necessary power to the suites but he still is strangely pale. An impressing example of Meißner's great strength in forming is the Andante of the second Suite, in which a cantabile melody is confronted with a pizzicato accompaniment in a rhythmically clashing way. The accompaniment is an obstacle for the melody and in spite of this fact it is still played cantabile, whereas Mørk is loosing its inner context. So who is Christina Meißner? The booklet does not tell anything about her. I heard her for the first time five years ago in Berlin with the ensemble “Klangwerstatt Weimar” founded by her among others in 1993. Since about 20 years she is performing solo as well. One can draw the conclusion that she passed the age in which rising stars are being “discovered” but I recommend everybody to discover her individually through this recording.
Zoltán Kodály Sonata op.8 für Violoncello solo
Isabel Mundry Cellosolo
Johann Sebastian Bach Suite II d-moll BWV1008
May/June 2003
Lutz Lesle
CHRISTINA MEISSNER plays solo compositions by Zoltan Kodaly, Johann Sebastian Bach and Isabel Mundry There is something pleasing about the solo-CD recorded by one of the founders of the Klangwerkstatt Weimar in the advantageous acoustic of the Bethlehems church in Dresden, that gives a certain lift to the listener. One thing is nameable: It results of an ideal sensual unity of composer, composition and interpret which creates a loaded tension while listening. This tension bears a conviction about the meaning of the music in it. The smartly composed order of the recording starts with the hardly known Sonata op. 8 by Kodaly. The listener is amazed by the astonishing composition because of its never ending flow of ideas over half an hour as well as by the strength of the interpret in following the movements of the composition in three chapters. Only loving the sound character of the cello can enable to perform so persistant. Before moving on to Bach she spends nine minutes with the Cellosolo (1997) by Isabel Mundry. It is a chain of opening and closing moods and spontaneous and deliberate movements which form a long story touching the sound limits of the instrument in an associative way. The most subtle pleasure brings the cellist in the Suite No.2 d-minor BWV 1008 by Bach in which she sets the dance character of the latent polyphonic movements to music in a highly effective way.
musikalische Wertung 5
technische Wertung 4
Repertoirewert 5
Booklet 2
Gesamtwertung 4
Ute van der Sanden
CELLO BAREFOOTED
It is not an easy listening record. To be honest: who would put a cello solo recording into his CD-player purely out of personal curiosity? Bach’s solo suites - Yes. That is fine. But contemporary music? Or totally modern? One would in special cases listen to that in concert and accept it as a necessary attachment to the classical main content of the program like a horse which tries to read Arabic and gives up. But after some time this experience of contemporary music at the concert is being understood with astonishment. One of those concerts is the CD of Christina Meißner, her first solo recording. For her it is a part of her concept to play contemporary music of composers like Zoltán Kodály and Isabel Mundry. And who else should be the courageous one to set accents on the comfortable recording market than her, founder of the ensemble "klangwerkstatt weimar" which is establishing new music since 1996.
There seems to be a magic connection between the cover photograph and her playing. Her arms and legs wrap the instrument like tentacles. She is barefooted. That conveys the relation of her to the cello as a sensual one. Things which are unnecessary for the art are left out, like shoes. As well as fixed attitudes, this would be obstacles on her search for the essence of the notes. The vitality, passion and the colorfulness with which she plays Kodály is exceptional. In his Sonata op.8 one is exposed to a huge spectrum of technical possibilities and more than that to a universe of expressive moods. The recording of Bach’s second suite in d-minor has something in common with that: Not at all every note of this interpretation is polished artificially. The contrary, the sparse vibrato makes it even more emphasized. What catches is her sober way to go for the completeness and how she comprehends the music as a whole. Taking this into account it is a friendly recording which can please not only the professional musician who knows about Kodály and Mundry not being Caucasian cow races.
newspaper weekend attachment 21.12.02
Frauke Adrians
Cello between Bach and contemporary
The bridging between Bach and Kodály is not as difficult as one thinks, especially for a cello played by Christina Meißner, who can overcome the distance effortlessly. She opens her recent solo debut released on “Horos” - records with the Sonata op. 8 by Kodály and closes it with the Suite No. 2 d-minor by Bach. For her those two are not separated from each other, the contrary is the case: The connecting power is stronger than the distance of centuries between baroque and Hungarian avant-garde. She handles the title of the first movement consequently: she plays with majesty but also passionate, works out the contrast created by fat chords and pianissimo-shimmering very well articulated without showing off with effects. The Bach-suite is approached more restrained. Her interpretation is delicate and light, sometimes holding back as the cello whispers even at points where it could be more determined. But on the other hand it has a sensitivity which especially the minuets benefit from. The Cellosolo by Isabel Mundry is loaded with almost electric seeming tension which can sometimes dazzle and Meißner plays it with fascinating expressivity. And there she bridges another gap – to the contemporary music which she as one of the founders of the “klangwerkstatt Weimar” is very much involved with.
2002/2003
Claudia Buder
Weltenreise mit Zwischentönen
„eher aus dem Instinkt als aus dem Verstand, eher durch die Intuition als durch den Willen“ – mit dieser Introduktion lädt Christina Meißner zu ihrer ersten Solo-CD ein. Kodály, Mundry, Bach. Ihre bewußt gewählte Symbiose von Barock, Moderne und Klassischer Moderne ist erfrischend. Weil sie eben nicht den gewohnten Konventionen folgt. Aufmunternd für Saitenblicke. Also, wer kommt mit auf die Reise?
Kodály: Der großen epischen Form folgt Christina Meißner mit der ihr eigenen Sinnlichkeit und dramatischen Intuition. Tiefsonores Wollen pulst bei robustem Furioso. Aber auch hingebendes Lauschen. Klassische Virtuosität oder Aufbruch zu neuen Welten? Eine entscheidende Frage für dieses Werk?
Mundry formt den Weg eines Gedankens in Tonsprache. Unvermittelt, rückbesinnend, keine Logil oder doch? Hier zeigt die Mitbegründerin der "klangwerkstatt weimar" die Stärke ihrer leidenschaftlichen Experimentierfreudigkeit. Im überzeugenden Subito zeigt sich die große Palette ihrer Farbigkeit.
Bach: „Kein Cellist, der nicht an den Suiten seine Kunst erprobt…“ Ja, wahrhaftig. Im Bach spiegelt sich das Selbst der Persönlichkeit.
Wo Christina Meißner im Triplett von polyphoner Tonsprache, rhythmischem Duktus und melodischer Freiheit ihre Schwerpunkte setzt, mag jeder für sich hörend erkunden. Denn nicht Bach, sondern Meer...Weltenreise.
Chaya Czenowin Gradual Edge 2012
Younghi Pagh-Paan Augenblicke 2013
Rene Mense Fantasie und Variationen 2006
Lisa Streich Seraph 2013
Die neue Platte: Neue Musik
Sonntag, 28.12.2014
Frank Kämpfer
In Welten des Leisen und der Stille ist die nächste CD angesiedelt; sie bietet vier Kompositionen für die Kombination Violoncello und Orgel, die ungeachtet ihres je individuellen Charakters in ähnliche Richtungen weisen. Was sie technisch verbindet, ist die Vorliebe der vier UrheberInnen – wie Bookletautor Walter-Wolfgang Sparrer treffend beschreibt – für „meditativ tastende Gangarten“, so-wie für „geräuschhafte Klänge, oft an der Grenze zur Hörbarkeit“. Gemeinsam ist ihnen auch die Vision, so verschiedene Instrumente wie Violoncello und Orgel könnten im sakralen Raum dialogisieren wie zwei verschiedene Formen von Existenz. In ihrem Stück Augenblicke – Gebet favorisiert die Koreanerin Younghi Pagh-Paan das Streichinstrument; die Orgel liefert für dessen Aktionen den Klang-Raum. Angeregt durch eine Kierkegaard-Lektüre überträgt die Kom-ponistin das philosophische Denkbild vom „Glauben im Augenblick der Hin-gabe“ in Verläufe unterschiedlicher Dichte und Fließgeschwindigkeit. Die Ame-rikanerin Chaya Czernowin ließ sich für Gradual Edge von einem bildnerischen Objekt inspirieren; zwei hohlen Halbkugeln, die in ihrem Innern das Nichts, die Unendlichkeit suggerieren. Ihre Musik folgt dem Blick, Liegeklänge der Orgel und Cello-Glissandi suggerieren ein kaum vernehmbares, doch überdimensiona-les Rotieren. René Menses Fantasie und Variationen hingegen wirken nach innen gewandt, introvertiert; für Lisa Streich wiederum ist das Fragile, kaum Merkliche Realität. Die junge Schwedin hat ihr Stück Seraph ihrer damals noch ungeborenen Tochter gewidmet; beider Kommunizieren beim Wachsen des Lebens erfährt musikalisch Entsprechung: Durch einzelne Gesten zunächst des Violoncellos – Streich nennt sie „akustische Flügel“ – die eingebettet sind in eine Art Schwebezustand, den ein leiser, in der Zeit gestreckter Orgelchoral sug-geriert. Christina Meißner (Violoncello) und Paul Skølstrup Larsen (Orgel) ha-ben das Stück im Sommer 2014 in der Peterskirche in Görlitz uraufgeführt.
10.02.15
Max Nyffeler
Cello und Orgel, wie passt das zusammen? Sehr gut, hört man sich die vier Werke an, die die Cellistin Christina Meißner angeregt und zusammen mit Poul Skjølstrup Larsen und Reinhard Seeliger eingespielt hat. Bei Chaya Czernowin führt der instrumentale Dialog in unheimliche Dunkelsphären, während Younghi Pagh-Paan, angeregt durch ihre Kierkegaard-Lektüre, eine mystische Innenwelt eröffnet, in der Dramatik und Entrückung zur Einheit verschmelzen. Ihr Stück, wie dasjenige von Czernowin ein dänischer Auftrag zum 200. Geburtstag Kierkegaards, ist der gewichtigste Beitrag auf dieser ungewöhnlichen CD. René Meese setzt demgegenüber mehr auf Klangsinnlichkeit und Farbe, und Lisa Streich tastet die zarten Klangränder ab, an denen sich die Instrumente berühren (querstand VKJK 1429).
Gehört nicht zusammen? Passt aber!
Geräuschtheater
Frank Hilberg
In unseren expressionssüchtigen musikalischen Zeiten, in denen so
gerne auf die Emotionsdrüse gedrückt wird (selbst in der tränenseligen
Epoche der Empfindsamkeit ging es in der Musik vergleichsweise
sachlich zu), erfüllt allein ein Titel wie Wolke und Mond den gefühlsbelästigten Zeitgenossen mit unguten Erwartungen. Besonders wenn das Stück auch noch für Akkordeon und Violoncello geschrieben ist - eine mittlerweile populär gewordene Kombination zweier Instrumente, mit denen bereits ungezählte Verbrechen im Namen der Rührseligkeit begangen wurden.
Aber Glück gehabt, die Komponistin Adriana Hölszky ist eine Frau des kräftigen Striches, Flauheit ist ihre Farbe nicht (aber Klotzigkeit darum noch lange nicht). Obwohl sie ohne Melodik auskommt und auch die Harmonik ganz zurücktritt, ist ihr Klanggefüge von großer Plastizität und bringt ein Element in die neue Musik zurück, das schon vollends ausgetrieben schien: Drive. Nicht durch Motorik, sondern durch eine ausgeklügelte Dramaturgie der Dynamik: ein Andrängen und Abschwellen, ein Stop and go auf engstem Raum.
Claudia Buder und Christina Meißner, die beiden Mitglieder des Ensembles Klangwerkstatt Weimar (Animato acd 6065, Vertrieb:www.bauerstudios.de) lassen die Tremoli prasseln und verleihen den Klängen Effet. Der Titel geht übrigens auf ein
zenbuddhistisches Koan zurück - keine Quelle, die der Sentimentalität
verdächtig ist.
Das dramatische Gespür von Hölszky, belegt durch ihre
Musiktheatererfolge, offenbart sich auch in ihrer Kammermusik. Zum
Beispiel, wenn sie zwei (oder mehr) Charaktere in immer neuen
Konstellationen einander umkreisen lässt. Dabei kommt es zu Wahlverwandtschaften und Idiosynkrasien. Segmente II für zwei Klangzentren - gespielt von Christoph Ritter und Matthias Schröder - zeigt die Symbiose eines Klaviers, das nur im Inneren gespielt wird, mit einem aus mehrdutzendfachen Holzklängen sortierten Schlagzeug. Serienweise fallen die Geräuschkaskaden (zivilisierte Geräusche, nicht die garstiglärmige Art) übereinander her, verwandeln sich perlend, schnarrend, rasselnd. Ein Dramolett der besonderen Art, das zeigt, dass nicht jedes Theater eine Bühne braucht.
Lux Vivens (2022)
Lux Ardens (2023)
Lux Serena (2024)
Lux Obscura (2025)
Vier Werke von John Palmer, die auf dem Konzept des Lichts als Metapher des Transzendentalen und in Übereinstimmung mit Hildegards mystischen Visionen basieren. Jedes dieser Werke ist von einer bestimmten Vision inspiriert. Die Tetralogie besteht aus Lux Vivens, Lux Ardens, Lux Serena und Lux Obscura und ist das Ergebnis einer intensiven forschungsbasierten Zusammenarbeit mit der einzigartigen Virtuosität von Christina Meißner. (der Komponist)
Diese Werke erklingen im Wechsel mit Gesängen der Hildegard von Bingen in einer Bearbeitung von Christina Meißner.
Hildegard von Bingen
Cum erubuerint
John Palmer
Lux Vivens
Hildegard von Bingen
O deus, quis es tu
John Palmer
Lux Ardens
Hildegard von Bingen
Karitas habundat
John Palmer
Lux Obscura
Hildegard von Bingen
O rubor sanguinis
John Palmer
Lux Serena
Hildegard von Bingen
Aer enim volat
Hildegard von Bingen (1098-1179)
O frondens virga
arr. für Cello
Sofia Gubaidulina (1931)
Aus den Visionen der Hildegard von Bingen (1994)
für Alt solo, arr. für Cello solo
Hildegard von Bingen (1098-1179)
Aer enim volat
arr. für Cello
Martin Rane Bauck (1988)
The air from afar (2018)
UA 02.11.2018 Diusburg
Esaias Järnegard (1983)
à Sibyl – Mǒnē (2019)
UA 08.09.2019 Weimar
Hildegard von Bingen
O virtus sapientiae
arr. für Cello
Lisa Streich (1985)
FLEISCH (2017)
UA 22.06.2017 Rom
Hildegard von Bingen
De Sancta Maria – O splendissima gemma
arr. für Cello solo mit Stimme
Hildegard von Bingen
O eterne deus
arr. für Cello
Joseph Andrew Lake (1979)
I am a clock (2018)
UA 25.11.2018 Løgumkloster
Lisa Streich
KOLON (2017)
Christina Meißner Cello und Arrangements
Sofia Gubaidulina (1931)
Aus den Visionen der Hildegard von Bingen (1994)
Die russische Komponistin Sofia Gubaidulina ist fasziniert von der mittelalterlichen Universalgelehrten. „Aus den Visionen der Hildegard von Bingen“ für Alt solo nähert sie sich dem Kompositionsstil ihres Vorbilds an, beginnend mit zwei aufeinander folgenden Quinten. Zugrunde legte sie einen Text, der als Quintessenz von Hildegards Visionen verstanden werden kann. Gott hat zwar mit der Schöpfung das Ewige und Unsichtbare erschaffen. Sichtbar werden seine Taten allerdings nur in der Vision. Gubaidulina liest den Text auch als Botschaft an ihren befreundeten Kollegen Alfred Schnittke, dem sie die Komposition zu dessen 60. Geburtstag 1994 widmete. Christina Meißner präsentiert das eingängige Werk in einem Arrangement für Violoncello solo.
Martin Rane Bauck (1988)
The air form afar (2018)
Laut Hildegard, die das typische Selbstbewusstsein eines mittelalterlichen Theologen besass, war Adam vor dem Sündenfall mit dem engelsgleichen Gesang gut vertraut, und "er hatte eine Stimme, die wie das Monochord klang". Obwohl wir ins Exil verbannt wurden, tragen wir die Spuren dieses friedlichen und unschuldigen Urzustandes weiter in uns, und wenn wir Musik hören, sind wir wieder mit diesem Urzustand verbunden und senden eine Klage aus.
Ob man nun daran glaubt oder nicht - diese Bildersprache ist bemerkenswert. Und The air from afar beruht auf der Idee, selbst in Kontakt zu treten - durch das Geräusch der Klänge - mit ferner Musik, fernen Liedern, fernen Stimmen, ferner Luft - mit einem mythischen Ursprung, und mit Hildegards Hymne aus dem 12. Jahrhundert.
Esaias Järnegard (1983)
à Sibyl – Mǒnē (2019)
Das Stück ist zischen zwei Pole aufgespannt: auf der einen Seite die rheinische Sibylle, Hildegard von Bingen und auf der anderen die Karmeliterin und Mystikerin Teresa von Ávila aus dem 16. Jahrhundert. Wenn Sie mit einem Mikroskop ausgestattet sind, finden Sie versteckt im Klang und in den Texturen Spuren von Melodien, Wörtern (die geheime Lingua Ignota von Hildegard) und möglicherweise sogar die Stimme der Extase von Hildegard. In der Form des Stückes tauchen die Villen (im klassischen Griechisch mǒnē) aus Àvilas Buch Die innere Burg als unterschiedliche Bewegungen der Kontemplation auf. Im Wesentlichen besteht das Stück aus 8 kürzeren Sätzen, die zu einem Satz zusammengefügt sind, jeder einzelne mit einem anderen „Hommage“-Untertitel versehen, der eine breite Palette meiner mystischen und musikalischen Vorfahren zusammenfasst.
Teresa von Àvila schreibt in ihrem Buch Die innere Burg über das Gebet und das Klosterleben, nicht als eine Tätigkeit, sondern als einen Zustand des Seins. Klang ist für mich genau das. Es ist nicht etwas, was ich jeden Tag für ein paar Stunden tue, sondern es ist eine Art zu existieren; unmöglich vom Leben zu unterscheiden.
Der Eröffnungsklang des Schlussteils bis zum letzten Moment eines instabilen Multifonics ist eine Erkundung des Klangs in einem imaginären Raum, in dem Vergangenheit und Gegenwart durch die Hände und den Cellokörper des Interpreten zum Schwingen kommen. Hierdurch wird der Klang von seinem expliziten Ursprung in eine – hoffentlich – mystischere ursprünglichere Dimension getragen.
Esaias Järnegard (* 1983) ist in Stockholm geboren und aufgewachsen. 2013 schloss er sein Studium mit einem Master of Music ab. Wesentlich für seine Ästhetik ist sein Fokus auf die Beziehung zwischen Körper und Instrument, nicht nur in Bezug auf seine Körperlichkeit, sondern auch auf das Echo der rituellen oder magischen Dimensionen des Klangs.
Joseph Andrew Lake (1979)
I am a clock (2018)
I am a clock (2018) befasst sich mit einer Serie von einmaligen, in der Spielweise inkongruenten Doppelgriffen: in denen jede Note einen anderen Anspruch an Bogenhaltung, Bogendruck und Bogengeschwindigkeit erfordert. Es ist möglich, dass es nur eine handgepflückte Anzahl an verschiedenen Bogengeschwindigkeiten gibt, die mit diesen Noten funktioneren; vielleicht muss die Cellistin den Bogen in einem speziellen Winkel zum Steg spielen. Vielleicht muss sie minutiös den Bogendruck für jede Seite verschieden verlagern – und das gleichzeitig.
Das Stück wird somit zu einer Etüde sowohl für Bogenführung als auch für das genaue Hinhören. Das Ohr muss stets den Klang kontrollieren und die Bogenführung muss kontinuierlich angepasst warden, damit keiner der beiden Töne versehentlich verklingt. Das Existentielle der Situation und die ununterbrochene Aufmerksamkeit des Spielers verleihen dem Klang eine tiefe Expressivität: für mich erhält der Klang durch das kontinuierliche Hinhören und die konstante Kontrolle der Tonerzeugung sein ganz eigenes Profil.
Folgendes Gedicht von Inger Christensen liegt dem Titel und der Kompositionsidee zugrunde:
stehe ich
alleine im schnee
wird klar
dass ich eine uhr bin
wie sollte die ewigkeit
sich sonst zurechtfinden
(Inger Christensen, “Hvis jeg står” from Lys, trans. Susanna Nied, Hans Grössel)
Lisa Streich (1985)
FLEISCH (2017)
In FLEISCH geht es um die Kreuzigung: das Leben davor, den Tod und das Leben danach. Die Feinheiten dessen wie unter einer Lupe betrachtet: Nägel und Fleisch, Dies und Jenseits, Leben und Tod und die Erlösung.
FLEISCH versucht sich
auf die Schnittstelle zwischen menschgewordenem Fleisch und metallenem Nagel zu konzentrieren.
Der verursachende Schmerz der pocht, konstant ist, sich verflüchtigt oder sich auf andere Ebenen begibt, in denen der Schmerz nur noch sekundär ist.
Die Schönheit des weichen, feinen, von Blutgefäßen verästelten Fleisches und die unausweichliche Kälte, Schärfe und Härte des Nagels der sich durch das Fleisch bohrt.
Ein Ausschnitt quasi eines kurzen Momentes in einem Gemälde, einer Zeit oder einer Gegenwart.
KOLON ist auch für Christina Meißner geschrieben im Zusammenhang mit einer Aufführung von FLESICH und Hildegard von Bingen Gesängen. Es kann frei zwischen die Gesänge eingeschoben werden als Vorausschau auf FLEISCH oder Rückblick auf FLEISCH.
Hildegard von Bingen (1098-1179)
O frondes virga – O grüner Zweig
arr. für Cello solo
Sofia Gubaidulina (1931)
Aus den Visionen der Hildegard von Bingen (1994)
für Alt solo, arr. für Cello solo
Giovanni Battista Degli Antonii (1636-1689)
Ricercata X
Salvatore Sciarrino (1947)
Ai limiti della notte (1984)
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite Nr. 2 in d-Moll BWV 1008
Isang Yun (1917-1995)
Glisseés (1970)
Hildegard von Bingen (1098-1179)
O virtus Sapientiae – O du Kraft der Weisheit!
arr. für Cello solo
Wie zur Bekräftigung der These, das Cello komme unter den Instrumenten der menschlichen Stimme am nächsten, beginnt die Weimarer Cellistin ihren Auftritt mit „O frondens virga“ (O grüner Zweig), einer Cellobearbeitung des einstimmigen Gesangs der Hildegard von Bingen im etwas fremdartig klingenden Moll-Modus dorisch. Vibratolos gelingt dem Cello einerseits die keusch-fromme Suggestion, die andererseits durch die typische Verzierungsfreude von Bingens Liedern mit Erregung angereichert wird. Eine zusätzlich zur Melodie gespielte Leersaite grundiert das Stück dazu mit dem typisch mittelalterlichen, Ewigkeit verströmenden Bourdonton. Bewegung und Stillstand, es war ein kleines Spannungsbeet, das hier zur Ouvertüre angerichtet und später erheblich ausgebaut werden sollte.
Zunächst mit einer fiebrigen, von Bingens Visionen inspirierten Komposition Sofia Gubaidulinas von 1994, die mit in höchste Lagen sich vortastenden Halbtonschritten so intensiv wie vergeblich im künstlerisch-krisenhaften 20. Jahrhundert nach dem sicheren Heimathafen zu forschen scheint.
Das Cello als Gesangsinstrument entsorgt die Suite en concert des französischen Avantgardisten André Jolivets von 1965 ebenfalls nicht, selbst wenn bei der Suite die Tonalität vertrieben ist und Jolivet teils perkussive Bogen- und unsingbare Akkordtechniken fordert: Bei allem lässt eine intonatorisch souveräne und detailgenaue Christina Meißner immer wieder einen romantisch-ariosen Ton hören.
SZBZ (10.08.15)
So warm, intensiv und spannend ist Bach selten zu hören. Schwierigste Läufe und Akkorde kommen völlig unangestrengt, langsame Passagen wie die Sarabande sind purer Klang, dann Bourrée und Gigue hochvirtuos und tänzerisch-leicht. Volksstimme (04.08.15)
Die israelische Komponistin Chaya Czernowin (*1957) schrieb in jungen Jahren eine von Urkraft, Sehnsucht, Empfindsamkeit und introvertierter Sinnlichkeit kündende Musik.
Imenauer Allgemeine (10.09.15)
Der Dom strahlte im warmen Abendlicht und die Zuhörer verließen ihn, überrascht von so viel Wohlklang und Virtuosität, begeistert und, nun ja, beseelt.
Havelberg, Volksstimme (04.08.15)
Isang Yun (1917-1995)
Glisseés (1970)
Peter Eötvös (1944)
Two Poems to Polly (1998)
Adriana Hölszky (1953)
NOUNS TO NOUNS II (1983)
Salvatore Sciarrino (1947)
Ai limiti della notte (1984)
René Mense (1969)
TOUCH...WINDOWS (1996)
Bernd Alois Zimmermann (1918-1970)
4 kurze Studien (1970)
Klaus Huber (1924)
Rauhe Pinselspitze (1992)
Giovanni Battista degli Antonii (1636-1698)
Ricercar
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite Nr. 5 in c-Moll BWV 1011:
Pau Casals/ Sally Beamish (1876-1973)
El Cant dels Aucells:
Der Gesang der Vögel
Franghiz Ali-Zadeh (1947)
Aşk Havası (1998)
Benjamin Britten (1913-1976)
I. Suite, op. 72 (1965)
Peter Eötvös (1944)
Two Poems to Polly
Two Poems to Polly
ist ein gesprochenes Lied über die Unannehmlichkeit der Unveränderlichkeit.
Die Gedichte wurden vor 1000 Jahren von einer Japanerin geschrieben, die als Dichterin am Kaiserlichen Hof gelebt hat. Ihr Name ist uns nicht bekannt, darum wird sie in der Literatur „die Dame (aus) Sarashina“ genannt.
„In meiner Komposition für eine sprechende Cellistin interpretiere ich ihre zeitlosen Texte als einen Dialog: ein Mann erwartet seine verstorbene Geliebte aus dem Jenseits zurück. Und die Stimme aus dem Jenseits antwortet.“
Peter Eötvös
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite Nr. 3 C-Dur BWV 1009
Benjamin Britten (1913-1976)
III. Suite, op. 87 (1971)
Isang Yun (1917-1995)
Glissées (1970)
in vier Sätzen
Gaspar Cassadó (1897-1966)
Suite für Violoncello solo
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite Nr. 1 G-Dur
Max Reger (1873-1916)
Suite G-Dur op 131c Nr. 1
Mieczyslaw Weinberg (1919-1996)
Sonate Nr. 1 op.72 (1960)
Adriana Hölszky (1953)
Nouns to nouns II (1983)
Menachem Wiesenberg (1950)
Monodialogue
Fantasie (1999/2005)
Domenico Gabrielli (1651-1690)
Ricercari
György Ligeti (1923-2006)
Sonate (1948-53)
Salvatore Sciarrino (1947)
Ai limiti della notte (1984)
René Mense (1969)
Studie II: Überblendungen (2008)
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite Nr. 4 in Es-Dur
Hirten- und Minnelieder (11. bis 12. Jh., arrangiert: René Mense)
Elliott Carter (1908)
Figment I (1994)
Artur Schnabel (1882-1951)
Sonate (1931)
Elliott Carter (1908)
Figment II (2001)
Minnelied (12. Jh., arrangiert: René Mense)
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite Nr. 6 in D-Dur
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite II d-Moll, BWV 1008
Ernest Bloch (1880-1959)
Suite Nr. III für Violoncello solo
George Crumb (1929)
Sonata for Solo Violoncello
Max Reger (1873-1916)
Suite a-Moll, op.131c Nr.3 für Violoncello allein
Elliott Carter (1908)
Figment II (2001)
Eugéne Ysaÿe (1858-1931)
Sonate, op.28
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
III. Suite C-Dur, BWW 1009
Benjamin Britten (1913-1976)
III. Suite, op.87
Das Gesamtwerk von Bach und Britten für Violoncello solo
Ein Zyklus von drei Konzerten
1
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite Nr. 1 in G-Dur BWV 1007
Benjamin Britten (1913-1976)
III. Suite, op. 87
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 4 in Es-Dur BWV 1010
2
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 3 in C-Dur BWV 1009
Benjamin Britten
I. Suite op. 72 (1965)
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 5 in c-Moll BWV 1011
3
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 2 in d-Moll BWV 1008
Benjamin Britten
II. Suite op. 80
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 6 in D-Dur BWV 1012
Antonii, Giovanni Battista Degli
Ricercati
Bach, Johann Sebastian
Suiten I-VI, BWV 1007-1012
Martin Rane Bauck (1988)
The air form afar (2018)
Bingen, Hildegard von (arr. Christina Meißner)
O frondes virga
O virtus sapientiae
Aer enim volat
O eterne deus
O splendissima gemma
Cum erubuerint
Karitas habundat
O rubor sanguinis
O deus, quis es tu
Bloch, Ernest
Suite Nr. 3
Britten, Benjamin
Suiten I-III
Thema „Sacher“
Burghardt, Benedikt
Solo
Cage, Jon
one 8
Carter, Elliott
Figment I und II
Cassadó, Gaspar
Suite für Violoncello solo
Crumb, George
Sonata for Solo Violoncello
Eötvös, Peter
Two Poems to Polly, for a speaking cellist
Gabrielli, Domenico
Ricercari
Ginastera, Alberto
Puneña
Goldmann, Friedrich
Cellomusik
Gubaidulina, Sofia
Aus den Visionen der Hildegard von Bingen
(arr. Christina Meißner)
Hindemith, Paul
Sonate für Violoncello solo
Hölszky, Adriana
nouns to nouns II
Honegger, Arthur
Paduana
Hosokawa, Toshio
SEN II
Ibert, Jaques
Ghirlarzana
Esaias Järnegard (1983)
à Sibyl – Mǒnē (2019)
Jolivet, André
Suite en concert
Kagel, Mauricio
General Bass
SIEGFRIEDP
Kantscheli, Gia
Nach dem Weinen
Katzer, Georg
An einen abwesenden Freund
Kodály, Zoltan
Solosonate
Lachenmann, Helmut
Pression
Joseph Andrew Lake (1979)
I am a clock (2018)
Ligeti, György
Sonate für Violoncello solo
Lutosławski, Witold
Sacher-Variation
Mense, René
Ecce lignum crucis
Touch...Windows
Hirten- und Minnelieder (Bearbeitung)
Studie II Überblendungen
Mundry, Isabel
Cellosolo
Pagh-Paan, Younghi
AA-GA I
Palmer, John
Lux Vivens (2022)
Lux Ardens (2023)
Lux Serena (2024)
Lux Obscura (2025)
Penderecki, Krzystof
Capriccio per Siegfried Palm
Prokofjew, Sergej
Sonate für Solocello op. 134 (unvollendet)
Reger, Max
Suiten I-III
Saariaho, Kaija
Petals
Schnabel, Artur
Sonate für Solocello
Sciarrino, Salvatore
Al limiti della notte
Schnittke, Alfred
Klingende Buchstaben
Lisa Streich (1985)
FLEISCH (2017)
Tagell, Rogelio Huguet y
Deuxieme Suite Espaniole
Walton, William
Passacaglia
Weinberg, Mieczyslaw
Sonate Nr. 1 op.72
Wiesenberg, Menachem
Monodialogue, Fantasie
Xénakis, Iannis
nomos alpha
Ysaÿe, Eugène
Sonate pour Violoncello seul
Yun, Isang
Glissées
Zimmermann, Bernd Alois
Vier kurze Studien
Ali-Zadeh, Frangis
Habil-Sajahy
Bach, Johann Sebastian
Gambensonaten BWV 1027 1029
Beethoven, Ludwig van
Sonaten op. 69 und 102
Brahms, Johannes
Sonate e-moll op. 38
Sonate F-Dur op. 99
Britten, Benjamin
Sonate in C op.65
Chopin, Frederic
Introduction und Polonaise brillante
Debussy, Claude
Sonate
Nocturne et Scherzo (1882)
Fauré, Gabriel
Sonaten op. 109 und op. 117
Feldmann, Morton
Durations 2
Franck, César
Sonate
Ginastera, Alberto
Sonata op. 49
Grieg, Edward
Sonate a-Moll op. 36
Herzogenberg, Heinrich von
Sonate Nr. 1
Janácek, Leoš
Pohádka
Jolivet, Andre
Nocturne
Liszt, Franz
Zweite Elegie
La Lugubre Gondola
Die Zelle von Nonnenwerth
Lutoslawski, Witold
Grave
Martin, Frank
Ballade
McMillan, James
Kiss On Wood
Mense, René
Grand (In Erinnerung an Stefan Wolpe)
Pfitzner, Hans
Sonate fis-moll op. 1
Piazzolla, Astor
Le Grand Tango
Prokofjew, Sergej
Sonate C-Dur op. 119
Rihm, Wolfgang
von weit (Antlitz) 1993
Scelsi, Giacinto
To the master
Improvisation I u.II
Schnittke, Alfred
Sonate
Schostakowitsch, Dimitri
Sonate d-moll op. 40
Schubert, Franz
Arpeggione-Sonate a-moll
Schumann, Robert
Fantasiestücke op. 73
Stücke im Volkston op.102
Takemitsu, Toru
Oreon
Terzakis, Dimitri
Lalita (1987)
Webern, Anton
Drei kleine Stücke op. 11
Cellosonate (1914)
Yun, Isang
Nore
Espace I
Zimmermann, Bernd Alois
Intercomunicazione
Omri Abram (1986)
Lavan (2019)
Bach, Johann Sebastian (1685-1750)
Gambensonaten BWV 1027-1029
Cage, John
Six melodies
Corbett, Sidney
Variations (l’annunziazione / Die Verkündigung)
Desprez, Josquin
Canzonen
Falla, Manuel de
Suite populaire espagñole
Fauré, Gabriel
Tantum ergo
Pie Jesu
Franck, César
La Procession
Gubaidulina, Sofia
In croce
Hölszky, Adriana
Wolke und Mond
Hosokawa, Toshio
In die Tiefe der Zeit
Janácek, Leoš
Pohádka (Märchen)
Katzer, Georg
Versuchte Annäherung
Lasso, Orlando di
Magnum opus Musicum
Mense, René
Hirten- und Minnelieder (Arrangement 2005)
Muffat, Georg
Ciacona
Pärt, Arvo
Spiegel im Spiegel
Piazzolla, Astor
Oblivion
Milonga sin Palabras
Le Grand Tango
Praetorius, Michael
Tänze aus Terpsichore
Rossi, Michelangelo
Toccata settima
Saint-Saëns, Camille
Ave verum
Satie, Erik
Danses Gothiques
Streich, Lisa
RUE CUVIER ou LES YEUX AU CIEL
Yun, Isang
Intermezzo
Bach, Johann Sebastian
Sonate D-Dur BWV 1028 (Arr.)
Bibl, Rudolf
Zwei Adagio op. 39
Boccherini, Luigi
Sonate A-Dur (Arr.)
Czernowin, Chaya
Gradual Edge
Dupré, Marcel
Sonata a-Moll op. 60
Légende
Berceuse Enfantine
für Cello und Orgel
Fischer, Carl August
Consolation
Gubaidulina, Sofia
in croce für Violoncello und Orgel
Kirchner, Theodor
2 Tonstücke für Cello und Orgel op. 92
Mense, René
Fantasie und Variationen
Pagh-Paan, Younghi
Augenblicke - Gebet
Saint-Saëns, Camille
Prière op. 158
für Cello und Orgel
Samazeuilh, Gustave
Prélude
für Cello und Orgel
Schneider, Enjott
Sulamith
Danses sacrées für Cello und Orgel 2010
Schröder, Hermann
Salve Regina Cantilena choralis für Cello und Orgel
Streich, Lisa
SERSAPH
Vasks, Peteris
musique de soir für Cello und Orgel
Vivaldi, Antonio
Sonate B-Dur RV 46 (Arr.)
Antonio Vivaldi
Konzert g-Moll für zwei Celli, Streicher und Continuo, PV 411
Joseph Haydn
Konzert C-Dur, Konzert D-Dur Nr. II, Hob. VII b:4
Antonín Dvořák
Konzert h-moll, op.104
Robert Schumann
Konzert a-moll, op. 129
Johannes Brahms
Konzert a-moll, op. 102, für Vl, Vc und Orchester
Edward Elgar
Konzert op. 85
Édouard Lalo
Konzert d-moll
Camille Saint- Saëns
Konzert a-Moll op. 33
Peter Tschaikowski
Variationen über ein Rokoko-Thema
Ottorino Respighi
Adagio con Variazioni
Max Bruch
Kol Nidrei op.47
Hans Pfitzner
Konzert für Vl, Vc und Orchester
Toshio Hosokawa
In die Tiefe der Zeit für Violoncello, Akkordeon und Streichorchester
Kerer, Manuela
Sterntropfen
Mense, René
Magdalenas Weheklag
Âne Wê
Nystedt, Knut
Stabat Mater
O'Regan, Tarik
Magnificat und Nunc dimittis
Szymko, Joan
Nada te turbe
Tavener, John
Svyati (Heilig)
Akusmatische Komposition: Christina Meißner
Die Radiofassung entstand im Auftrag des DLF, Redaktion Frank Kämpfer.
Ursendung am Samstag, den 4. März 2023
Atelier neuer Musik
In ihrem Musik-Hör-Stück „Wo bin ich?“ erkundet die Weimarer Violoncellistin Christina Meißner ihr Instrument unter dem Aspekt, nur mehr einen Zentimeter Spielraum zu haben. Das Resultat sind vierzig hoch intensive Minuten vielschichtiger Klänge, bei denen die Urheberin als Ausführende mit hoher physisch-emotionaler Intensität ihr Instrument und damit sich selbst neu zu erfahren versucht. Inspiriert ist diese künstlerisch-soziale Selbstreflektion von Bruno Latours spätem Text „Termite werden“; eine Art ökologischer Lesart von Franz Kafkas „Verwandlung“. Im Ausgang des
vierten Winters der Corona-Pandemie wird das Hörstück erstausgestrahlt. Es schichtet mehrere Audiospuren, Live-Spiel sowie Prosa von Stephanie Geissler. Produziert wurde das Stück im Vision Studio des Komponisten John Palmer.
hier zu hören:
https://soundcloud.com/christina-meissner-19985236/wo-bin-ich-2025-final
Working with Christina Meissner has been a uniquely enriching experience. Few performers are so deeply engaged in collaboration. She brings an exceptional command of timbre and extended techniques, along with a deep commitment to the cello’s expressive potential. Her contribution to contemporary music goes beyond interpretation: she actively shapes its future. Composing for her means entering a creative dialogue shaped by curiosity, rigour, and imagination.
John PalmerHer ear is precise and her technique is brilliant. But what makes her exceptional is her immense musical intelligence, openness and imagination. She approaches new musical material with such openness wisdom and imagination that it seems like she has invented it from the inside.
Chaya CzernowinA brilliant cellist who has a strong artistic personality. An ideal interpret of my work. She has great subtlety and imagination in her playing. She always reaches international top level.
Adriana HölszkyI met a powerful, yet gentle, attentive and incredibly considered person and was very glad to write for her.
I am impressed by the conscientiousness, precision and extremely score-faithful interpretation of the piece. A mastery of the instrument and the music was immediately in the air – what a gift for a composer.
I was very delighted by the concert. Through her complete artistic commitment she gave my compositions a profound interpretation in the concert hall.
Younghi Pagh-PaanPrecision and intensity in shaping …top musician, who makes use of her highly developed technical skills, her open mind towards new things and a highly intelligent and at the same time brilliant musicality in a fruitful way… comprehensive artistic and technical competence… with a special character…
Helmut Lachenmann… exceptional top cello player… great imagination and plasticity in her way to acquire and realize new compositions and pieces of the classical repertoire… Adriana Hölszky, Stuttgart
Adriana Hölszky…her enthusiastic, open minded, respectful and at the same time free attitude towards music and her incredible diversity always have impressed me very strongly… Amparo Lacruz, Barcelona
Amparo LacruzHer cello playing touched me in its strong individuality and emotional depth.
Marie-Luise Leihenseder-EwaldThe special feature of Meißner’s solo programmes is the fact that she goes far beyond the common classical-romantic repertoire. The spectrum reaches from the late middle ages to contemporary music. By exploring the possibilities of cello playing again and again to her limits, Christina Meißner creates space for new sensual experiences.
Nicole ZeddiesThrough her work the extremely differentiated spectrum of the cello gets tangible qualities. Technical perfection does not lead to cold brilliance with her but broadens the way towards emotional truthfulness of the musical expression. With this expression she overcomes common categorisations such as new and old music.
Nicole ZeddiesHildegards Echo
Es war eine der außergewöhnlichsten Motetten der letzten 20 Jahre, überschrieben mit „Ispariz“, wie Hildegard von Bingen in ihren Visionen den heiligen und menschlichen „Geist“ nannte.
Zu Beginn die Psalm-Antiphon „O frondens virga“ („Oh grünender Zweig“), warm singend auf dem Cello des Leipziger Instrumentenbauers Christoph Friedrich Hunger von 1787. Nach Hildegards Musizierpraxis ließ Meißner oft auf einer zweiten Saite einen durchgängigen Fundamentton unter der Melodie mitlaufen – Symbol für Gottes Ewigkeit.
Sofia Gubaidulinas „Aus den Visionen der Hildegard von Bingen“, 2019 für Meißner komponiert, wuchs aus diesen Klangstrukturen organisch heraus wie ein Baum: expressiv sich verzweigende Gesten, in immer intensiver angespannten Bewegungen aufgeladen und aufgestiegen. Ein ständiges Wechselspiel von klanglicher Annäherung, Verschmelzung und Auseinanderdriften.
Auf Hildegards „Aer enim volat“ („Die Luft enteilt“) antwortete der Norweger Martin Rane Bauck mit „The air from afar“ („Die Luft aus der Ferne“, 2018): flackernde Atemgeräusche aus schnarrenden Obertönen, teils flirrend schnell schraffiert, teils kaum noch hörbar, fahl wie Wind im Schilf. Eine unglaubliche Tonbeherrschung und Klangfindung.
„Kolon“ (sinngemäß: „Schlusspunkt“, 2017) der schwedisch-deutschen Komponistin Lisa Streich war ein kurzes Bindeglied zwischen Hildegards „O virtus sapientiae“ („Oh Tugend der Weisheit“) und „O eterne deus“ („Oh ewiger Gott“). Hier wie auch in Streichs „Fleisch“ (2017) sang die Cellistin Töne in die Cello-Klänge hinein – wie ein schattenhaftes Echo, eine unwirkliche, innere Stimme. Wie bei Bauck faszinierte auch hier die experimentelle Klangfantasie: etwa mit schlagendem Bogen aus den niedergedrückten Saiten buchstäblich herausgehackte, geräuschhafte Eruptionen oder changierende Oberton-Prismen, die mit wellenartig „flechtendem“ Bogenstrich zum Leuchten gebracht wurden.
Nach Hildegards „O splendissima gemma“ („Oh schönstes Juwel“) war es sehr lange still in der Stiftskirche.
Ilmenau Jakobuskirche
Was Christina Meißner gelang, war ein subtiles Gestalten einer überaus großen Anzahl farbenprächtiger Klangbilder, die man vom Cello als Orchesterinstrument niemals zu hören bekommt. Das „Cello in Meißners Händen Aktion“ war vergleichbar mit einem gemischten Chor, besser noch mit einer Solistenvereinigung, die in den Stimmlagen vom tiefen Bass bis zum Countertenor agiert. Auf Orchesterinstrumente übertragen, fungierte das Cello als Summe aller Streichinstrumente in den unterschiedlichen Tonlagen, aber auch als Perkussionsinstrumentarium.
Wo der Saitenklang bei der Interpretation von Hildegard von Bingens „O splendidissima gemma“ nicht hinreichte, kam die summende Stimme der Cellistin unauffällig hinzu und komplettierte den Klang auf wundersame Weise.
Sindelfingen, Martinskirche
Publikum im Schwitzkasten
Musik von Mittelalter bis Avantgarde bei Orgelreihe mit Cello und Orgel
Bereits zum dritten Mal gab die Cellistin Christina Meißner ein Gastspiel in der Martinskirche. Erstmals brachte sie dazu den dänischen Organisten Poul Skjølstrup Larsen mit. Das Duo bescherte das bislang ungewöhnlichste Konzert der diesjährigen Orgelreihe.
Wie zur Bekräftigung der These, das Cello komme unter den Instrumenten der menschlichen Stimme am nächsten, beginnt die Weimarer Cellistin ihren Auftritt mit „O frondens virga“ (O grüner Zweig), einer Cellobearbeitung des einstimmigen Gesangs der Hildegard von Bingen im etwas fremdartig klingenden Moll-Modus dorisch. Vibratolos gelingt dem Cello einerseits die keusch-fromme Suggestion, die andererseits durch die typische Verzierungsfreude von Bingens Liedern mit Erregung angereichert wird. Eine zusätzlich zur Melodie gespielte Leersaite grundiert das Stück dazu mit dem typisch mittelalterlichen, Ewigkeit verströmenden Bourdonton. Bewegung und Stillstand, es war ein kleines Spannungsbeet, das hier zur Ouvertüre angerichtet und später erheblich ausgebaut werden sollte. Zunächst mit einer fiebrigen, von Bingens Visionen inspirierten Komposition Sofia Gubaidulinas von 1994, die mit in höchste Lagen sich vortastenden Halbtonschritten so intensiv wie vergeblich im künstlerisch-krisenhaften 20. Jahrhundert nach dem sicheren Heimathafen zu forschen scheint.
Das Cello als Gesangsinstrument entsorgt die Suite en concert des französischen Avantgardisten André Jolivets von 1965 ebenfalls nicht, selbst wenn bei den drei gespielten Sätzen aus der Suite die Tonalität vertrieben ist und Jolivet teils perkussive Bogen- und unsingbare Akkordtechniken fordert: Bei allem lässt eine intonatorisch souveräne und detailgenaue Christina Meißner immer wieder einen romantisch-ariosen Ton hören. Auch der allegro-moderato Satz aus der Cello-Orgelsonate von Marcel Dupré ist kein auf Effekt schielendes Bravourstück, wirkt bei elaborierter Harmonik mit emsig-marschartig in Vierteln und Achteln vorwärtsstrebenden Cello-Melodik allerdings recht rationalistisch.
Erheblich bizarrer und lebhafter im Vergleich dazu das mit Abstand längste Stück des Konzerts, „Augenblicke – Gebet“ der aus Korea stammenden Komponistin Younghi Pagh-Paan. Gewidmet hat sie es der Erinnerung an den dänischen Philosophen Søren Kierkegaard, einem der großen Unruhegeister der Philosophie- und Theologiegeschichte. Das mit Bingen angerichtete kleine Spannungsbeet weitet sich damit zum Spannungsacker, allein schon weil Organist und die Cellistin sich räumlich trennen und das Publikum sozusagen in den Schwitzkasten nehmen: Er bleibt auf der Empore, sie spielt im Altarraum. Die Stimme des Cellos wird indes weniger als Vokal- denn als Sprechsubstitut genutzt. Denn mit Trillern und bis in Clusterformen gehenden Akkorden entspinnt sich ein zwischen Ruhe und Verstörung oszillierender Dialog zwischen beiden Instrumenten, bei dem das Cello eine fabelhafte Klangpalette zwischen gleißend-metallischen Farben und zerbrechlichem Flüstern bis zu gelegentlich sattedlem Celloschönklang hören lässt – letztlich eine verblüffend passend anmutende musikalische Umsetzung vieler Kierkegaard-Texte, in denen in oft kapriziös dialektischen Wendungen die Austreibung vieler vermeintlicher Gewissheiten des 19. Jahrhundert-Zeitgeistes unternommen wird.
Wie zur großen Gegenthese spielt die Orgel zum Finale die monumental-selbstgewiss auftretende Fantasie über Lobet den Herren des dänischen Romantikers Niels Wilhelm Gade. Seine Solistenqualitäten hatte Poul Skjolstrup Larsen längst zuvor mit zwei kleinen, mal strengen, mal tänzerisch daher kommenden Canzonen Buxtehudes an der kleinen Orgel bewiesen.
Havelberger Dom
So warm, intensiv und spannend ist Bach selten zu hören
Havelberger Dommusiken: Christina Meißner gastierte am Freitagabend mit ihrem Cello Solo im Dom – ein Genuss für Ohr und Seele
Keiner der bisher in diesem Jahr im Havelberger Dom aufgetretenen Interpreten hat sich so perfekt auf die derzeit besondere Situation eingelassen. Der Dom, Spiegel der Stadtgeschichte seit dem Mittelalter, füllte sich mit Klängen aus allen seinen Zeiten. Und passend zu den Blumen überall draußen begann der Regen der Melodien mit Kompositionen aus der Feder der ersten deutschen Komponistin, der Ärztin,
Botanikerin, Klosterfrau und Mystikerin Hildegard von Bingen. Geboren übrigens im selben Jahr 1098 wie Anselm von Havelberg, der Wiederbegründer unseres Doms.
Es war Christina Meißner aus Weimar, die aus ihren Soloprogrammen diesen Spaziergang durch die Musik eines knappen Jahrtausends zusammengestellt hat und die Melodien auf ihrem phantastischen Barockcello (1787 von Chr. Fr. Hunger, Leipzig) zum Klingen brachte. Und es war auch ein Erlebnis, die zierliche Frau vor dem Lettner zu beobachten und zu hören, wie sie Instrument und Raum in selten gehörter Harmonie verschmelzen ließ.
Die Interpretin hatte ihren Vortrag in zwei Blöcke zusammengefasst und führte selbst mit wenigen Worten die Zuhörer in die Werke ein. Zusätzlich hatte sie auf dem schlichten Programmblatt die Texte Hildegards von Bingen, die der Musik zu Grunde lagen, in deutscher Übersetzung abgedruckt, eine nette Hilfe zum Verständnis.
Nun, das Cello in den Händen von Frau Meißner lässt Mittelaltermusik erklingen, einmalig schön und intensiv. Danach dann ein Sprung in die Gegenwart zur Bearbeitung einer Hildegard-Rezeption der wohl derzeit wichtigsten Komponistin, Sofia Gubaidulina, ursprünglich für Altstimme: Visionen, Grenzüberschreitungen in Klänge gefasst. Dann, wieder ein Sprung zurück zum Frühbarock des Italieners Degli Antonii, eine Ricercata wie eine Lobeshymne auf das damals neu entwickelte Cello, spielerisch und virtuos alle Möglichkeiten des Instruments auslotend. Und wieder ins 20. Jahrhundert, wo der Franzose André Jolivet in tiefer Ernsthaftigkeit Musik und neue Zeit zu verbinden sucht.
Wie Wolken am Himmel
Der zweite Block begann mit Johann Sebastian Bachs Suite Nr. 4 in Es-Dur BWV 1010. Dieses nun bekanntere Stück zeigte einmal mehr die herausragenden spielerischen und interpretatorischen Qualitäten der Cellistin. So warm, intensiv und spannend ist Bach selten zu hören. Schwierigste Läufe und Akkorde kommen völlig unangestrengt, langsame Passagen wie die Sarabande sind purer Klang, dann Bourrée und Gigue hochvirtuos und tänzerisch-leicht. Dass dieses Hörerlebnis noch zu steigern wäre, hat der Zuhörer nicht erwartet, aber dann erklang noch einmal ein modernes Stück, eine Eigenbearbeitung der Cellistin auf Bitte der Bostoner Komponistin Chaya Czernowin, die Transkription eines Violinsolos. Frau Meißner hatte in ihrer Einführung die Freude am stillen Erleben der Natur erwähnt, und so führte die Musik mit zeitgemäßen Klängen in eine Berglandschaft, schwebend und sensibel wie Wolken am Sommerhimmel. Der Konzertabend schloss und rundete sich mit Hildegard von Bingen.
Der Dom strahlte im warmen Abendlicht und die Zuhörer verließen ihn, überrascht von so viel Wohlklang und Virtuosität, begeistert und, nun ja, beseelt.
Flirrende Töne und Inferno auf vier Saiten Weimarer Cellistin Christina Meißner bereitet in Speyerer Domkrypta 1000 Jahre Musikgeschichte auf.
Gesänge der Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert standen an prominenter Stelle des gut einstündigen Konzerts. In Hildegards periodisch angelegten Sentenzen konnte Meißners edler, sanfter, freier Celloklang ruhig ausschwingen. Sequenzen der ersten Hildegard-Melodie liefen symbolisch zum Aufrichten des Menschen an Gott hoch auf. Zum Konzert-Ausklang schritt das Auf und Ab der Melodie im Gottvertrauen unverzagt fort.
Nach dieser Frühmusik schraubte sich die alles auswendig beherrschende Musikerin direkt von Hildegards Bassnote aus im modernsten Stück des Abends, einer Vokalise der Russin Sofia Gubaidulina auf die Offenbarung des Unsichtbaren, in intensiven Steigerungen in höchste Höhen. Das war Magie der Töne.
Am hohen Firmament schwirrender und flirrender Töne konnte sich die Weimarer Cellistin in akustischen Fernzeichnungen des Italieners Salvatore Sciarrino vom Ende der Nacht ergehen. Doppelgriffiges Flageolett-Zittern ließ die Vögel in der Morgendämmerung pfeifen. Geräusche umzirpten das Publikum, ebbten ins Vergeistigte ab und lebten wieder auf.
Handfester rang sich da der lange inhaftierte Koreaner Isang Yun in seinen Glissées von 1970 mit dröhnend gerissenen Pizzikati seinen Schmerz von der Seele. Energische Motionen reckten sich in die Höhe und bohrten sich in wiederkehrende Tonfolgen. Gewandt bewegte sich die engagierte Solistin in diesem explodierenden Inferno auf vier Saiten.
Zwischen all diesem Neuen und Aller-Neuesten spielte die Gast-Cellistin der Dommusik mit leichter Hand ein sich metrisch unablässig steigerndes Ricercar des Vor-Bach-Italieners Antonii. Von Bach selbst präsentierte sie sehr warm und kantabel die zweite Suite d-Moll. Deren gestalterische Fülle spielte sie zwar ohne scharfkantige Konturierung, aber dennoch filigran aus. Wie ein fein koloriertes Fresko drapierten sich Bachs Tanzsätze diesmal hin. In sanfter Gelassenheit intonierte die Solistin die Sarabande ganz so, wie sie gut in die Krypta als Ruhestääte passte. Ein musikalisch reichhaltiger, in sich geschlossener Abend.
Bodelshofen, Jakobskirche
Musik aus tausend Jahren
Die Cellistin Christina Meißner in der Jakobskirche in Bodelshofen
Hildegard von Bingen... erfüllten ihre in Klänge verwandelten, fast tausend Jahre alten Visionen am vergangenen Sonntag die intime Atmosphäre der kleinen Jakobskirche in Bodelshofen. Die Cellistin Christina Meißner aus Weimar brillierte mit einem außergewöhnlichen Soloprogramm, dessen Bandbreite seinesgleichen sucht. Die visionären Texte der Hildegard von Bingen, die Christina Meißner für das Cello arrangiert hat, bildeten die Klammer für eine gute Stunde musikalischen Hochgenuss. Ihr kraftvolles und zugleich zärtliches Spiel mit den klanglichen Möglichkeiten ihres charaktervollen Cellos, das 1787 in der Leipziger Werkstatt von Christopher Hunger gebaut worden ist, verdichtete sich in der feinen Akustik des Kirchleins zu einem unglaublichen Hörerlebnis.
Meißners exzellente Spieltechnik und ihre abgrundtiefe Musikalität zeigten sich besonders bei Salvatore Sciarrinos „Ai limiti della notte“ aus dem Jahr 1984. Minutenlange, schwerelose Tremoli in der rechten Hand, und im Flageolett gespielte Doppelgriffe über die gesamte Länge des Griffbretts, erschufen bis ins leiseste Pianissimo ein geradezu sphärisches Klanggemälde. Nicht weniger mitreißend die „Glisseés“ des 1995 verstorbenen Koreaners Isang Yun. Die virtuosen Glissandi und Pizzicati in beiden Händen waren schon unglaublich genug, aber spätestens als Christina Meißner in diesem Stück auch noch den Bogen weglegte und stattdessen die Cellosaiten mit einem Plektron akkordhaft anriss, wurde klar, welch hochkarätige Musikerin da nach Bodelshofen gekommen war. Natürlich darf in einem solchen Programm auch der Großmeister dieses Genres nicht fehlen. Mit der Solo-Suite Nr. 2 in d-Moll von J. S. Bach zeigte die Weimarer Cellistin noch einmal ihre außergewöhnliche Klasse und spannte den musikalischen Bogen vom sehr moderaten und ernsten Präludium über die tänzerische Leichtigkeit der mittleren Sätze bis hin zur furios gespielten Gigue.
Wendlingen, Eusebiuskirche
Demonstration hoch entwickelter Cellokunst
Mit kurzen einführenden Worten zum besseren Verständnis der einzelnen Werke für Cello Solo präsentierte die renommierte Cellistin Christina Meißner an diesem Abend ihr weit gefächertes Programm, das unter dem Motto „Havası“ (türkisch für: ‚Liebe, begeisterte Hingabe, eifriges Bemühen’) stand und dessen Bogen sich vom Frühbarock bis in die Moderne spannte. Dabei folgte sie ihrem musikästhetischen Credo, dass „alles seinen Platz findet: das Kantige neben dem Schmeichelnden, das Luftige wie das Raue, das Vergangene und das Gegenwärtige.“ Für diese genannten Kontraste ließen sich in den ausgewählten Stücken viele Belege finden.
Am Anfang stand ein mehrteilig gegliedertes Ricercar, eine Frühform der Fuge, des Bolognesers Giovanni Battista degli Antonii (1636-98), der zusammen mit Domenico Gabrielli als Pionier der Weiterentwicklung des Violoncellos zum Soloinstrument gilt und dieses Instrument aus dem Dornröschenschlaf des Generalbassspiels weckte. Meißner spielte dieses Stück, das zum Schluss hin eine dramatisch virtuose Steigerung erfährt, weithin in dynamisch zurückgenommener Angemessenheit, mit schlankem Ton, nahezu vibratolos und mit nur geringem Bogendruck und passte damit das Klangbild ideal an den sakralen Klangraum der Kirche an.
Mit ganz anderem solistisch-konzertantem Anspruch kommt Johann Sebastian Bachs Suite für Cello Solo, Nr. 5 in c-Moll (BWV 1011) daher. Das sechssätzige Werk birgt alle Facetten von Bachs Kompositionskunst in diesem Genre und stellt höchste bogen- und grifftechnische und tongestalterische Ansprüche an den Solisten.
Ein sonorer, dynamisch ausdifferenzierter Wohlklang im langsamen Teil des Präludiums mit seinen gebrochenen Akkorden wechselte sich im schnelleren Teil mit komplexem Figurenwerk ab, das trotz Einstimmigkeit fast polyphone Fugenwirkung entfaltete. Intonatorisch absolut saubere Mehrstimmigkeit war in der Allemande zu vernehmen, die hochvirtuose Courante wurde temperamentvoll als munter fließender Satz musiziert, das Herzstück, die konsequent einstimmige Sarabande wurde „sotto voce“, schlicht und in feierlichem Ernst, fast meditativ entrückt dargeboten. Die Solistin verzichtete dabei völlig auf Vibrato und gestaltete den Ton mit variablem Bogendruck, bis hin zum sanft verhauchenden Schlusston. In scharfem Kontrast dazu stand die energisch vorwärts drängende, tänzerische Gavotte, deren ausgeprägtes, immer rasanter vorbeihuschendes Laufwerk bewundernswert unangestrengt bewältigt wurde. Eine im punktierten Dreiviertelrhythmus unbeschwert tanzende Gigue, die mit federleichter und doch gestaltungsintensiver Bogenführung präsentiert wurde, beschloss den beeindruckenden und viel beklatschten Vortrag.
Mit dem „Cant dels Aucells“ (Lied der Vögel) des legendären katalanischen Cellisten Pablo Casals (1876-1973) in einem Arrangement von Sally Beamish von 1998 fand das Konzert seine Fortsetzung. Dieses katalanische Volkslied galt als Erkennungsmelodie des antifaschistischen Widerstands gegen Franco und durfte in keinem von Casals’ Konzerten fehlen. Meißners Interpretation bestach hier durch große Eindringlichkeit des Vortrags, bei dem sie das ganze Tonvolumen ihres prächtigen Instruments in dynamischer Spannbreite ausschöpfte. Kräftiges Forte, hauchzarte Pianissimi, sauber getroffene hohe Flageoletts, heikle Passagen in Daumenlage – da gab es nichts, was die Cellistin vor Probleme stellte.
Mit dem 1998 entstandenen Bravourstück „Aşk Havası“ (Liebesstimmung) der aserbaidschanischen Pianistin und Komponistin Franghiz Ali-Zadeh (* 1947), das fast experimentellen Charakter hat, ging es dann im Programm weiter. Das Werk thematisiert eine alte türkische Liebesgeschichte, in der es um Liebe auf den ersten Blick zwischen zwei jungen Menschen geht. Es ist gespickt mit eigentümlichen Klangeffekten: Glissandi, flirrende Tremoli, nahe am Steg gestrichene Passagen in „sul ponticello“-Technik, chromatische Sequenzen, Tonsprünge über mehrere Oktaven bringen eigentümliche Klangeffekte zuwege, verlangen aber dem Musiker alles ab, der dabei sogar noch den instrumentalen Tonsatz stimmlich unterstützen muss. Für diesen cellistischen Husarenritt gab es für Meißner den verdienten Beifall.
Mit Benjamin Brittens (1913-76) erster Suite op. 72 für Cello Solo von 1964 kam dann ein weiterer glanzvoller Höhepunkt dieses Abends. Dieses Werk ist zusammen mit den Cellosuiten op. 80 und op. 87 dem großartigen russischen Cellisten Mstislav Rostropovich gewidmet. Das neunsätzige, sehr abwechslungsreiche und überaus originelle Stück, in dem vier Canti das musikalische Gerüst bilden, wird ohne Pause musiziert und verlangt schon deshalb höchste geistige Präsenz vom Solisten.
Nach der Fuga, einem variantenreichen Satz, in dem sich Arpeggien, abrupte Tonsprünge, harsche Akkordschläge mit sanften Kantilenen abwechseln, folgte mit dem Lamento der vielleicht anrührendste Satz der Komposition. Meißner gestaltete ihn expressiv als unter die Haut gehende melancholische Totenklage, die bruchlos in den raunend mehrstimmigen Canto secondo übergeht. Der Serenata werden durch die teils mehrstimmigen Pizzicati gitarrenähnliche Klangfarben verliehen, die bogentechnisch brillant zelebrierte Marcia gefiel ebenso wie der sonor mehrstimmige Bordone-Satz, bei dem durch Einsatz des Dämpfers eine dudelsackähnliche Klangnuance geschaffen wurde. Als mitreißender Kehraus dann das abschließende Moto perpetuo, ein musikalisches Perpetuum mobile in fiebrig rasendem Presto, wo die Solistin nochmals alle Register ihres stupenden Könnens zog, bis hin zu den Pizzicati mit der linken Hand.
Nach dieser kaum zu überbietenden Leistung fungierte das abschließende Werk von 1998 „Two Poems to Polly“ (für eine sprechende Cellistin) des Ungarn Peter Eötvös (* 1944) quasi als Zugabe. Dabei handelt es sich gemäß dem Komponisten um ein gesprochenes Lied über die Unannehmlichkeit der Unveränderlichkeit. Die Gedichte wurden vor 1000 Jahren von einer Japanerin geschrieben, die als Dichterin am Kaiserlichen Hof lebte und in der Literatur als „Dame aus Sarashina“ bezeichnet wird. Die beiden Gedichte sind in der Komposition als Dialog zu verstehen, in dem ein Mann seine verstorbene Geliebte im Jenseits anspricht und diese ihm antwortet. Für die Solistin bestand bei ihrer suggestiven, eindringlich intensiven Darbietung die Kunst darin, den rezitativen Text genauestens mit der Musik abzustimmen, was ihr sehr gut gelang.
Begeisterter und dankbarer Beifall belohnten dieses kammermusikalische Erlebnis von hohen Graden.
Speyer, Johanneskirche
Ein Konzert als Tor zu einer anderen Welt
Weimarer Cellistin Christina Meißner erweist in der Speyerer Johanneskirche dem Solorepertoire für ihr Instrument eine hingebungsvolle Reverenz.
Unter dem Motto „Übergänge“ ist die Weimarer Cellistin Christina Meißner am Freitagabend in der Speyerer Johanneskirche aufgetreten. Ihr Konzert mit Werken von Bach über Britten bis Gaspar Cassadó hat dabei den Titel nicht nur musikgeschichtlich ausgeleuchtet.
Klangwelten jenseits des sonoren Timbres und der Brückenschlag zwischen Ost und West traten als sinnliche und philosophische Dimensionen hinzu. Bereits die Programmgestaltung gab Meißners Recital als hingebungsvolle Referenz an das Solorepertoire für Violoncello zu erkennen.
Ernsthaftigkeit und Konzentration prägten die Interpretation von Bachs C-Dur-Suite, die den Abend eröffnete. Um das Jahr 1720 entstanden, ist die Serie von sechs Suiten, zu der die Komposition gehört, ein Markstein auf dem Weg zu einem eigenständigen solistischen Repertoire und zugleich Bezugspunkt für Benjamin Brittens drei Cellosuiten.
Deren letzte, ein Geschenk Brittens für seinen Freund, den russischen Cellisten Mstislav Rostropovic, erklang im Anschluss. Mit seiner Vielzahl von Stimmungen, Farben und Setzweisen stellt dieses Stück eine echte Herausforderung für die Gestaltungskraft und Fantasie wie auch für die Technik seines Interpreten dar.
Meißners Widergabe bestach durch Fragilität und die vollkommene Beherrschung aller Klangelemente – vom harfenähnlichen Arpeggio über sanft melancholische Doppelgriffpassagen bis hin zum schnarrenden Pizzikato und abgerissenen Einwürfen. Ausgehend vom lyrischen Klagegesang der ersten Takte, erspielte sie sich mit Suggestionskraft das folkloristisch angehauchte Ende, Zitate russischer Volkslieder.
„Glissées“, vier kurze Stücke des koreanischen Komponisten Isang Yun, beleuchteten den Übergang von einem Ton zum nächsten. Dabei verschmelzen östliche und westliche Tonsprache zu einem singulären, persönlichen Stil, der Kunst des gleitenden Übergangs aus dem Geist des Tao. Mit Spielweisen, die sich bewusst möglichst weit von dem mit dem Cello assoziierten sonoren Klang entfernen, öffnet sich darin das Tor zu einer anderen Welt.
Mit künstlerischer und musikalischer Meisterschaft brachte Meißner sie ihrem Publikum trotzdem nahe. Im spielerisch unbefangenen Experimentieren mit den Möglichkeiten des Glissandos erschloss sich ein Kaleidoskop geräuschhaft-gestischer Klangwirkungen und Imitationen asiatischer Musikinstrumente.
Mit Gaspa Cassadós Suite schloss sich der Kreis: Wieder angekommen im europäischen Raum, setzte Christina Meißner einen wirkungsvollen Schlussakzent mit virtuoser Bravour und spanischem Kolorit.
Weißenburg, Söller
Ein echtes musikalisches Geschenk Werke von Johann Sebastian Bach und Benjamin Britten – Echtes Können und Persönlichkeit bewiesen
In der vielseitigen und niveauvollen Reihe der vhs-Konzerte gastierte Cellistin Christina Meißner im Söller des Gotischen Rathauses und bereitete der Stadt damit ein großes Geschenk. Die Zutaten des überaus spannenden Konzerts waren eine Künstlerin. die ihr Instrument vollkommen beherrscht, ein facettenreich wohlklingendes Violoncello aus dem Jahr 1789, mit dem die Interpretin fast schon verwachsen wirkt, ein dafür bestens geeigneter Raum mit Klang, Wärme und Atmosphäre, eine in sich stimmige Programm-Dramaturgie und natürlich die reife, tiefe und bis ins Letzte ausgearbeitete Musik von Johann Sebastian Bach und Benjamin Britten.
Die sächsische Solistin eröffnete den Abend mit der G-Dur-Suite für Cello solo von Johann Sebastian Bach, die nach einem volltönenden Prelude fünf barocke Tanzsätze stilisiert. Dabei konnte Meißner durch ihre schier grenzenlose Bogenbeherrschung die so unterschiedlichen Charaktere dieser Tänze punktgenau und mitreißend formulieren, Sie führte ihr fasziniertes Publikum dabei auf einem gleichermaßen selbstbewussten wie selbstständigen Weg zwischen den Klischees von Historismus und romantischer Virtuosität hindurch zu einem sprechenden und ansprechenden Kunsterlebnis.
Aus demselben Geist von Bescheidenheit und Reichtum. aber ungefähr 250 Jahre jünger, lebte anschließend die dritte Cello-Suite von Benjamin Britten aus dem Jahre 1971. In neun ineinander übergehenden Sätzen spannte sich ein Bogen kontrastreicher Bausteine, in denen die Fülle der instrumentalen Möglichkeiten des Cellos wirkungsvoll, aber nicht effekthascherisch ausgelotet wurden: Die vier Saiten wurden gezupft und gestrichen, beides auch gleichzeitig, mehrstimmiges Spiel („Dialogo“, „Fuga“, „Passacaglia“) wurde gepflegt, Klangfarben wurden auch beispielsweise durch Glissando, Spiel am Steg oder raffinierte Doppelgriffe entfaltet.
Ohne Netz und doppelten Boden, geschweige denn durch irgendeine Tontechnik geschönt, konnte sich Christina Meißner ihren aufmerksamen Hörern unmittelbar gegenüber sitzend ganz auf ihre Intonationssicherheit und ihre in- und auswendige Werkkenntnis verlassen.
Die zweite Konzerthälfte war ausgefüllt mit Bachs vierter Suite in Es-Dur, auf deren Besonderheiten die Solistin zuvor wiederum mit sympathischen Worten hinzuweisen verstand.
In einer Zeit, in der vieles von Technik, Show, Wirtschaftlichkeit oder Pragmatismus geprägt ist, war es wohltuend, wertvoll und beispielgebend, erleben zu können, dass auch Spiel und echtes Können, dass Persönlichkeit und Kunst noch Raum haben – und Publikum: Nicht oft erreichen Veranstalter ein Verhältnis von 1:50 im Vergleich von Akteuren auf der Bühne und Zuhörern im Publikum!
Und das Schönste: Das Geschenk geht weiter, denn auch in 2011 und 2012 wird Christina Meißner wieder nach Weißenburg kommen und uns dann die weiteren Suiten von Bach und Britten mitbringen.
…Eine breite Gefühlspalette von dramatischer Verzweiflung zu dultsamer Melancholie entlockte C.hristina Meißner dem Violoncello. Das Instrument entwickelte unter ihren Händen eine eigene Lebendigkeit, die nicht nur zu hören, sondern ihrem Spiel auch anzusehen war. Knut Nystedts „Stabat mater“ bot ein gewaltiges Klangspektrum, in dem der klagende Gesang des Chores mit dem intensiven Spiel der Cellistin zu einem berührendem Erlebnis verschmolz.
Auch als Solistin schuf Meißner Klangvielfalt. Gezupfte leise Töne steigerten sich zu einem schnellen Tanz über die gestrichenen Saiten, wurden abgelöst von kurzen dynamischen Schlägen und endeten in einer liebkoenden Geste, die als zarter Ruf noch lange im Raum haften blieb.
Bad Dürkheim
Suggestive Klänge in der Klosterkirche Seebach
Bereits mit den ersten Tönen von Bachs Suite Nr. 1 G-Dur ging ein Ruck durch das Auditorium ob der erstaunlich voluminösen Kraft des Cellos. Bachs Themen- und Ideenreichtum verwandelte die Musikerin in glänzendes Pathos, leuchtete in unglaublicher Resonanz und Präsenz den ganzen Chorraum aus. Die Schönheit ihrer Artikulationen und die fein empfundene Tiefe von Präludium und Allemande wechselten über die leichtfüßig lebendige Courante zur fast wehmütigen Macht der Sarabande, die von tänzerischem Vergnügen und temperamentvoller Intensität in den Menuetten und der Gigue abgelöst wurde.
Es folgten ein grandioses Ausleben von Max Regers Suite Nr. 1 G-Dur. Meißners mitreißende Expressivität entführte im Vivace in tiefste Dimensionen, das spannungsreiche Adagio erlebte eine ungeheure Dramatik der Aussage und des Gefühls, während die abschließende Fuge herrlich kühne, klangfarbige Strukturen entwarf und dem Hörer ein grandioses, fast orchestrales Finale bescherte.
Christina Meißner bot darauf zwei moderne Kompositionen auf, um ihr phänomenales Können zu demonstrieren. „Nouns to Nouns II“ (1983) von Adriana Hölszky nach einem Gedicht von E. E. Cummings bietet neun verschiedene, kurze Sätze an, wo sich musikalische Zellen aneinanderreihen, jede für sich eigen in Motivik, Rhythmik, Klangfarbe, Dichte, Bewegungsart und Charakter. Für die Besucher war es eine vergnügliche, überaus pittoreske Exkursion. Die technischen Schwierigkeiten des Stückes spielten sich dagegen nie in den Vordergrund.
Eine Herausforderung für das Zuhörerohr war der letzte Beitrag, Menachem Wiesenbergs Fantasie „Monodialogue“ (1999/2005). Meißner entwarf verschlungene Bilder und die Synthese, die sie mit kraftvoller, vokalisierender Singstimme herbeiführte, war sensationell.
Landau
Mit ihrem Programm „Überblendungen“ demonstrierte Cello-Solistin Christina Meißner bei einem Benefizkonzert in der Katharinenkapelle eindrucksvoll die hohe Kunst, aus physikalischen Schwingungen hörbare Klangbilder zu formen. Gefühls- und ausdrucksstark interpretierte sie Kompositionen aus 350 Jahren und führte ihre Zuhörer durch schier grenzenlose Möglichkeiten des Streichinstrumentes in eine neue, sinnliche Klangerfahrung.
…die Akustik in der Kapelle ließ die sonoren Grundtöne tief und beruhigend durch den Körper strömen. In meisterlicher Technik machte Meißner dem Publikum das reichhaltige Teiltonspektrum des Violoncellos erlebbar, erzeugte beispielsweise durch Flageoletttöne höhere Frequenzen und ließ Obertöne hörbar schwingen. Sphärische Klänge, Trällern, Zirpen, Ton-Perlenketten, Achterbahnfahrten von Tonreihen in rasantem Tempo, Anschlaggeräusche, Vibrationen erweiterten den musikalischen Ausdrucks als emotional wahrnehmbare, hörbare Physik.
Hoch konzentriert versank Christina Meißner mit geschlossenen Augen in ihrem leidenschaftlichen Spiel – und auch die Zuhörer taten gut daran, die Lider zu schließen, um den Klang über das Unhörbare hinaus zu fühlen. Mal schien eine Harfe zu erklingen, mal ein Cembalo oder eine Geige schien zu fiedeln, dann wieder – beispielsweise in György Ligetis Sonate für Violoncello solo – ein ganzes Klezmer-Orchester. Tatsächlich aber produzierte die virtuose und experimentierfreudige Künstlerin all diese Klänge auf einem einzigen Instrument, einem Violoncello aus auffallend dunklem Holz. Am leichtesten fiel die emotionale Einfindung in ein fast nur aus Obertönen komponiertes Werk des Sizilianers Salvatore Sciarrino: „Ai limiti della notte“ – „An den Grenzen der Nacht“ erwacht der neue Tag im heißen Sizilien, das tiefe Rot des Sonnenaufgangs weist bereits auf die glühende Mittagshitze hin, dumpfer „staubiger“ Klang symbolisiert die Trockenheit dieser Landschaft. In den Schwingungen der Obertöne flirrt die Hitze vor dem geistigen Auge und Schwärme lästiger Mücken schwirren vor dem Gesicht.
Bautzen
Adaptionen für außergewöhnliche Besetzung
Feinsinniges Wechselspiel barocker Empfindsamkeit begrüßte im Sorbischen Museum auf der Ortenburg die zahlreichen Gäste des Bautzener Kammerkonzertes. Die Cacona von Georg Muffat erklang in ungewöhnlicher Besetzung. War ruhiges Herantasten aufblühender Freude, die von Christina Meißner (Violoncello) und Claudia Buder (Akkordeon) aus Weimar gezaubert wurde. Beide Künstlerinnen stammen aus Sachsen, sind Mitglieder des Ensembles Klangwerkstatt Weimar und pflegen ein weiträumiges Musikspektrum von Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert.
Blumenstrauß des Frühlings
Claudia Buder, seit 2007 Professorin an der Musikhochschule Weimar, spann den Leitfaden zu den Hörerlebnissen, die sie als Blumenstrauß des Frühlings ankündigte. Zumeist Adaptionen, Bearbeitungen für die außergewöhnliche Besetzung, folgte mit dem Stimmungsreichtum der Romantik Cesar Francks „La Procession“, wo über dunklem Akkordeonteppich heller Celloglanz hauchzarte Freundlichkeit malte, zu Klangballungen wuchs und sich in Stille verflüchtigte.
Einmalige Qualität des Spiels
Als barocke Perle angekündigt, begeisterten sich die Besucher an Bachs Sonata Nr. 2, D-Dur BWV 1028, deren Viersätzigkeit neue Klangwelten erschloss. Einem Adagio der Sanftheit folgten rhythmisch-tänzerische Allegrofreude und inniges Adagioweben, das in wetteifernder Klangfarbenvirtuosität einzigartig gelang.
„Intermezzo“ von Isang Yun (1917-1995) entstand 1988 und verband asiatische und europäische Elemente zu einem modernen Dialog, der die Künstlerinnen zu starker Körpersprache mit ihren Instrumenten herausforderte. Glissandi flutschten, Tremoli flirrten Silber aus dem Knopfakkordeon. Scharfe Cellotöne und dissonante technische Finessen beeindruckten die einmalige Qualität des Spiels.
Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ von 1978 dann als Gegenstück dazu: Stille, Schlichtheit von Dreiklangsbrechung, enorm reduzierte Harmonie als Fluss der Zeit, als Spiegel im Spiegel. Gefällige Cellowärme.
Ein Gespinst der Stille, der Meditation. „Le Grand Tango“ vom Argentinier Astor Piazzolla (1921-1992) beschloss mit dem Markenzeichen des Tango Nuevo den Konzertabend. Ausgefeilt auch hier die Bearbeitung, die Feuer, hart packende Rhythmik und Celloleidenschaft war, die Tiefe traf und zum blutroten Tangoschrei wuchs.
Und für die Blumen und den rasanten Applaus gab’s noch die faszinierende Zugabe: Habanera von Maurice Ravel.
Baden Baden
Man könnte das Solokonzert mit Christina Meißner am Sonntagabend in der Stadtkirche auch als Cellomeditation beschreiben. Mit einem Programm, das nach dem Motto „Überblendungen“ Musik des 17. und 20. Jahrhunderts mit jüngsten Arbeiten zeitgenössischer Komponisten verband, vermittelte die Künstlerin den leider nur wenigen Besuchern eine ganz neue Welt der Klänge. Als Solistin ist Christina Meißner in Fachkreisen hochgeachtet. Als Mitbegründerin des Ensembles „Klangwerkstatt Weimar“ – denn aus dieser Stadt kommt sie - hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, auch zeitgenössischer Musik den Weg zu verdienter Aufmerksamkeit und Akzeptanz beim Publikum zu ebnen. Das gelingt ihr, wie jubelnde Rezensionen und anerkennende Testate aus Fachkreisen belegen. Nicht zuletzt machte der Soloabend in der Stadtkirche diese Feststellung erlebbar. Vier Ricercari des Bologneser Cellisten Domenico Gabrielli (1651-1690), eine Sonate von György Ligeti (1923 – 2006), ein „Naturbild“ des 1947 geborenen italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino und die Suite Nr.4 von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) bildeten sozusagen die Bausteine, die René Mense, Jahrgang 1969 zu der 2008 entstandenen Studie „Überblendungen“, verwandte. Der Name „Überblendungen“ weist darauf hin, dass er nicht in chronologischer oder stilistischer Abfolge einzelne Sequenzen aneinanderreihte oder aufeinanderschichtete. Vielmehr inspirierten ihn einzelne Elemente zu einer höchst virtuosen Komposition, die das jeweils Typische der Originalhandschrift in eine eigene musikalische Kalligraphie einfließen lässt. Bediente die Bach-Suite vertraute Hörgewohnheiten, die dank der differenzierten und inspirierten Interpretation dem Ohr schmeichelten, so illustrierte Christina Meißner mit vielstimmigem Obertongesang ihres mehr als zweihundert Jahre alten Instruments die Schilderung eines erwachenden Tages, die Salvatore Sciarrino „Ai limiti della notte“ nannte. Mit zarten Tönen und Geräuschen weckt das Cello die Vorstellung an erste Vogellaute, Zirpen und Surren von Insekten und dem Erwachen der Natur, das sich im großen Morgengesang vereinigt. Die Kunstform des Ricercar, das sich im 16. Jahrhundert als instrumentales Pendant zum vokalen Aufbau der Motette entwickelte, wie es mit Meißner mit großer Virtuosität und sonorem Celloton am Werk Gabriellis demonstrierte, verwandte auch György Ligeti. Seine Sonate, die diese Motivimitationen aufgreift, faszinierte durch imaginäre Dialoge, die Christina Meißner technisch anspruchsvoll und musikantisch brillant auf vielfältige Weise zum Ausdruck brachte.
Christina Meißner: eine Cellistin mit vielen Tugenden
Heilbronn - Gebannte Stille in der Kilianskirche. Die Aufmerksamkeit der Zuhörer ruht beim fünften Heilbronner Sommerkonzert ganz auf Christina Meißner (Violoncello). Mit ihrem kostbaren Instrument aus dem späten 18. Jahrhundert beherrscht die in Weimar ausgebildete Cellistin mühelos den Raum, ausgesprochen sonore Basslagen lassen sogar den Boden unter den Füßen mitschwingen.
Dies spürt das Publikum besonders bei den vier Ricercari (1689) von Domenico Gabrielli. Mal ausgreifend wuchtig, mal versponnen verkleinert wirkt die Melodik, wechselt zwischen ariosem Schwung und frühbarocker Gesprächigkeit. Hurtige Lagen-wechsel und virtuose Griffe zeugen von souveräner Technik, gestalterische Wärme erfüllt jeden Bogenstrich.
Noch in Budapest schrieb György Ligeti eine Sonate für Violoncello, die noch nichts vom späteren Avantgardisten verrät. Aber Meißner lässt den kompositorischen Schalk im Nacken deutlich aufblitzen, wenn im „Dialogo“ aufmüpfig verschliffene Pizziccati den großen Ernst der neobarocken Linie aufbrechen. Ungarisches Tanzmaterial färbt ein burleskes „Capriccio“. Den Übergang von einer heißen Nacht zu einem heißen Tag schildert Salvatore Sciarrino in „Ai limiti della notte“ (1984). Flirrende Flageoletts und fragile Obertongebilde stehen im Raum, verlieren sich im nächtlichen Dunkel, zart schimmert die Morgenröte herauf: Meißner entlockt ihrem Instrument hier meditative Vielfarbigkeit.
Behutsam Versatzstücke des Programms verarbeitet René Mense in seiner kurzen Studie „Überblendungen“ (2008), doch hinterlässt gerade das titelgebende Stück des Konzerts formal den schwächsten Eindruck, da sich Fremdes nicht überzeugend ins Eigene zwingen lässt.
Es-Dur ist bei Streichern wenig beliebt, umso konzentrierter geht Christina Meissner bei Bachs Suite Nr. 4 BWV 1010 nochmals an die Arbeit, feilt an heiklen Klangbereichen, arbeitet eine melodische wie rhythmische Faktur heraus, die ohne Detailverliebtheit musikantisch im Raum steht.
Fast behutsam wird das Prélude ausgeschritten, deutlich treten Septimsprünge in der Allemande hervor. Rhythmisch befreit schnurrt die Courante ab, von den beiden Bourrées tummelt sich die zweite in faszinierend tiefen Lagen. Die Gigue zieht die Summe, auch aus den vereinten Spieltugenden von Christina Meißner. Viel Beifall von leider viel zu wenig Händen.
Friedrichshafen
Not fearing the contact with contemporary music the exceptional musician Christina Meißner appeared… That the cellist besides her passion for contemporary music is as well capable of dealing with baroque music she demonstrated in the Suite No.6 of Bach. Her accurate playing on the one hand and her incredible musical instinct on the other hand made her a master of Bach interpretation.
… Christina Meißner plays with much tension and concentration. Man forgets the high technical demands of her repertoire… her richness in sound-colours… Notes in all registers fill the place with light, warmth and beauty in sounds… in the two Gavottes she chose a way between singing expression and dancing flow and in the finalising Gigue she let her instrument cheer of joy.
… absent in other spheres was the audience in the concert of the artist, who moved the hearts of the people effortlessly… The bow was jumping, dancing and sliding playfully over the strings, sometimes loud, sometimes soft, finally reaching only a breath of a note… Very fascinating, how she created different moods with her passionate playing, which infected and caught the audience…
… the degree of comprehension is strongly fascinating and convincing for the audience…wonderfully dark sound in the lower –and bewitchingly soft sounds in the higher register… her traits are inner peace and melodic beauty, which are coming out of a deep mind-expedition searching for soberness…
… Christina Meißner caught the attention of the audience with every note she played… created a strong athmosphere, which transmissed to the listeners which could enjoy with their souls and minds… People expressed their enthusiasm about the performance with Bravo-shouts…
... When the cellist Christina Meißner from Weimar performs it is fun to have a musical ride through the centuries...is daring to experiment with passion...gives satisfaction to ears used to harmony... passionate, experimental and ambitious... a fusion which is instructive as well as addressing the senses...
... In some passages it reminded of a harp, on other spots violin sounds. It is hard to believe that those tones were produced by a cello, which could have the temperament of a gipsy band. Simply great... the compositions of Bach were performed in a fresh way and full of pleasure in improvisation... sensitive interpretation with a strong expression... large number of listeners had an unforgettable evening...
... refreshing and hearty was the playing... She turned out to be a top artist who is involved with all her nerves in comprehending and performing the music... she "sang" bewitchingly beautiful with light and careless sounding virtuosity and shining brilliance in her sound... long stamping applause with constant Bravo-shouts got the soloist on stage several times...
Sound, feeling, experience: a journey with the cello.
Two pioneering spirits searching for the Unknown…
The cello playing of Christina Meissner evokes a music experience that is highly inspiring and transcending at the same time. Her performances offer a compelling celebration of life where music is the ultimate voice of primary existential values. Meissner’s performances strike for the boldness of her superb virtuosity, the mastering of a captivating repertoire and a mesmerising technique that takes the listener to uncharted regions of the imagination.
Christina Meissner grew up in Stolpen, Saxony. She completed her Cello Studies at the Franz Liszt University of Music of Weimar where she has been teaching since her graduation. She refined her studies especially with Stanislav Apolin in Prague and Anner Bylsma in Amsterdam.
As a co-founder of the Ensemble Klangwerkstatt Weimar, Christina Meissner has maintained the highest artistic standards of the ensemble in many years of painstaking study of the contemporary repertoire. She also worked closely with Isang Yun, Toshio Hosokawa, Georg Katzer, Isabel Mundry, Helmut Lachenmann, Rebecca Saunders, René Mense and Georg Crumb. Further collaborations include Adriana Hölszky, Peter Eötvös, Salvatore Sciarrino and Klaus Huber. In recent years she has commissioned new works that have been written especially for her virtuosity by Younghi Pagh-Paan, Chaya Czernowin and Lisa Streich amongst others. Meissner’s solo career is also documented on several CDs with recordings of works ranging from the Middle-Ages to the 21st Century.
I connect with my instrument
Yet something is resisting me
I embrace the obstacle and fly beyond
Beauty is there where everything has its place
Edgy and Flattering
Light and Rough
Past and Present
I love revealing music from dissimilar periods
the old next to the new
for a new quality to breath
I want to tell stories
transcend a single instant
and share the power of timelessness
for a meeting in between
Christoph Friedrich Hunger, Leipzig.
Born 1718 in Borstendorf, died 1787 in Leipzig.
Christoph Friedrich was Samuel Hunger’s son and a student of A.B. Jauch in Dresden. He worked until 1760 in Borstendorf, then in Leipzig, presumably in Johann Christian Hoffmann’s studio, which he took over after his death.
Following the Italian lutherie tradition, Hunger built violins, violas and violoncellos of the finest quality and produced his best instruments in the final years of the 18th century. Usually the finish is light yellow with a slightly darker tinge. His instruments are still rare to find.
Fotos: Constanze Wild und Guido Werner
Plakat: Michael Geyersbach
Christina Meißner
Schubertstraße 28
99423 Weimar
0170 7361211
CD-orders by mail please.
Christina Meißner
Schubertstraße 28
99423 Weimar
Christina Meißner
Tobias Wolf (tobiaswolf.me)
Constanze Wild
Brigitte Geyersbach
Michael Geyersbach
Benjamin Strauch
Diese Datenschutzerklärung klärt Sie über die Art, den Umfang und Zweck der Verarbeitung von personenbezogenen Daten (nachfolgend kurz „Daten“) innerhalb unseres Onlineangebotes und der mit ihm verbundenen Webseiten, Funktionen und Inhalte sowie externen Onlinepräsenzen, wie z.B. unser Social Media Profile auf (nachfolgend gemeinsam bezeichnet als „Onlineangebot“). Im Hinblick auf die verwendeten Begrifflichkeiten, wie z.B. „Verarbeitung“ oder „Verantwortlicher“ verweisen wir auf die Definitionen im Art. 4 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).
Christina Meißner
Schubertstraße 28
99423 Weimar
cello.meissner@gmail.com
Besucher und Nutzer des Onlineangebotes (Nachfolgend bezeichnen wir die betroffenen Personen zusammenfassend auch als „Nutzer“).
„Personenbezogene Daten“ sind alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person (im Folgenden „betroffene Person“) beziehen; als identifizierbar wird eine natürliche Person angesehen, die direkt oder indirekt, insbesondere mittels Zuordnung zu einer Kennung wie einem Namen, zu einer Kennnummer, zu Standortdaten, zu einer Online-Kennung (z.B. Cookie) oder zu einem oder mehreren besonderen Merkmalen identifiziert werden kann, die Ausdruck der physischen, physiologischen, genetischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität dieser natürlichen Person sind.
„Verarbeitung“ ist jeder mit oder ohne Hilfe automatisierter Verfahren ausgeführte Vorgang oder jede solche Vorgangsreihe im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten. Der Begriff reicht weit und umfasst praktisch jeden Umgang mit Daten.
Als „Verantwortlicher“ wird die natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet, bezeichnet.
„Auftragsverarbeiter“ eine natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die personenbezogene Daten im Auftrag des Verantwortlichen verarbeitet.
Nach Maßgabe des Art. 13 DSGVO teilen wir Ihnen die Rechtsgrundlagen unserer Datenverarbeitungen mit. Sofern die Rechtsgrundlage in der Datenschutzerklärung nicht genannt wird, gilt Folgendes: Die Rechtsgrundlage für die Einholung von Einwilligungen ist Art. 6 Abs. 1 lit. a und Art. 7 DSGVO, die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Erfüllung unserer Leistungen und Durchführung vertraglicher Maßnahmen sowie Beantwortung von Anfragen ist Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO, die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Erfüllung unserer rechtlichen Verpflichtungen ist Art. 6 Abs. 1 lit. c DSGVO, und die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Wahrung unserer berechtigten Interessen ist Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Für den Fall, dass lebenswichtige Interessen der betroffenen Person oder einer anderen natürlichen Person eine Verarbeitung personenbezogener Daten erforderlich machen, dient Art. 6 Abs. 1 lit. d DSGVO als Rechtsgrundlage.
Wir treffen nach Maßgabe des Art. 32 DSGVO unter Berücksichtigung des Stands der Technik, der Implementierungskosten und der Art, des Umfangs, der Umstände und der Zwecke der Verarbeitung sowie der unterschiedlichen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere des Risikos für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen, geeignete technische und organisatorische Maßnahmen, um ein dem Risiko angemessenes Schutzniveau zu gewährleisten.
Zu den Maßnahmen gehören insbesondere die Sicherung der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten durch Kontrolle des physischen Zugangs zu den Daten, als auch des sie betreffenden Zugriffs, der Eingabe, Weitergabe, der Sicherung der Verfügbarkeit und ihrer Trennung. Des Weiteren haben wir Verfahren eingerichtet, die eine Wahrnehmung von Betroffenenrechten, Löschung von Daten und Reaktion auf Gefährdung der Daten gewährleisten. Ferner berücksichtigen wir den Schutz personenbezogener Daten bereits bei der Entwicklung, bzw. Auswahl von Hardware, Software sowie Verfahren, entsprechend dem Prinzip des Datenschutzes durch Technikgestaltung und durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen (Art. 25 DSGVO).
Sofern wir im Rahmen unserer Verarbeitung Daten gegenüber anderen Personen und Unternehmen (Auftragsverarbeitern oder Dritten) offenbaren, sie an diese übermitteln oder ihnen sonst Zugriff auf die Daten gewähren, erfolgt dies nur auf Grundlage einer gesetzlichen Erlaubnis (z.B. wenn eine Übermittlung der Daten an Dritte, wie an Zahlungsdienstleister, gem. Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO zur Vertragserfüllung erforderlich ist), Sie eingewilligt haben, eine rechtliche Verpflichtung dies vorsieht oder auf Grundlage unserer berechtigten Interessen (z.B. beim Einsatz von Beauftragten, Webhostern, etc.).
Sofern wir Dritte mit der Verarbeitung von Daten auf Grundlage eines sog. „Auftragsverarbeitungsvertrages“ beauftragen, geschieht dies auf Grundlage des Art. 28 DSGVO.
Sofern wir Daten in einem Drittland (d.h. außerhalb der Europäischen Union (EU) oder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR)) verarbeiten oder dies im Rahmen der Inanspruchnahme von Diensten Dritter oder Offenlegung, bzw. Übermittlung von Daten an Dritte geschieht, erfolgt dies nur, wenn es zur Erfüllung unserer (vor)vertraglichen Pflichten, auf Grundlage Ihrer Einwilligung, aufgrund einer rechtlichen Verpflichtung oder auf Grundlage unserer berechtigten Interessen geschieht. Vorbehaltlich gesetzlicher oder vertraglicher Erlaubnisse, verarbeiten oder lassen wir die Daten in einem Drittland nur beim Vorliegen der besonderen Voraussetzungen der Art. 44 ff. DSGVO verarbeiten. D.h. die Verarbeitung erfolgt z.B. auf Grundlage besonderer Garantien, wie der offiziell anerkannten Feststellung eines der EU entsprechenden Datenschutzniveaus (z.B. für die USA durch das „Privacy Shield“) oder Beachtung offiziell anerkannter spezieller vertraglicher Verpflichtungen (so genannte „Standardvertragsklauseln“).
Sie haben das Recht, eine Bestätigung darüber zu verlangen, ob betreffende Daten verarbeitet werden und auf Auskunft über diese Daten sowie auf weitere Informationen und Kopie der Daten entsprechend Art. 15 DSGVO.
Sie haben entsprechend. Art. 16 DSGVO das Recht, die Vervollständigung der Sie betreffenden Daten oder die Berichtigung der Sie betreffenden unrichtigen Daten zu verlangen.
Sie haben nach Maßgabe des Art. 17 DSGVO das Recht zu verlangen, dass betreffende Daten unverzüglich gelöscht werden, bzw. alternativ nach Maßgabe des Art. 18 DSGVO eine Einschränkung der Verarbeitung der Daten zu verlangen.
Sie haben das Recht zu verlangen, dass die Sie betreffenden Daten, die Sie uns bereitgestellt haben nach Maßgabe des Art. 20 DSGVO zu erhalten und deren Übermittlung an andere Verantwortliche zu fordern.
Sie haben ferner gem. Art. 77 DSGVO das Recht, eine Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde einzureichen.
Sie haben das Recht, erteilte Einwilligungen gem. Art. 7 Abs. 3 DSGVO mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen
Sie können der künftigen Verarbeitung der Sie betreffenden Daten nach Maßgabe des Art. 21 DSGVO jederzeit widersprechen. Der Widerspruch kann insbesondere gegen die Verarbeitung für Zwecke der Direktwerbung erfolgen.
Als „Cookies“ werden kleine Dateien bezeichnet, die auf Rechnern der Nutzer gespeichert werden. Innerhalb der Cookies können unterschiedliche Angaben gespeichert werden. Ein Cookie dient primär dazu, die Angaben zu einem Nutzer (bzw. dem Gerät auf dem das Cookie gespeichert ist) während oder auch nach seinem Besuch innerhalb eines Onlineangebotes zu speichern. Als temporäre Cookies, bzw. „Session-Cookies“ oder „transiente Cookies“, werden Cookies bezeichnet, die gelöscht werden, nachdem ein Nutzer ein Onlineangebot verlässt und seinen Browser schließt. In einem solchen Cookie kann z.B. der Inhalt eines Warenkorbs in einem Onlineshop oder ein Login-Status gespeichert werden. Als „permanent“ oder „persistent“ werden Cookies bezeichnet, die auch nach dem Schließen des Browsers gespeichert bleiben. So kann z.B. der Login-Status gespeichert werden, wenn die Nutzer diese nach mehreren Tagen aufsuchen. Ebenso können in einem solchen Cookie die Interessen der Nutzer gespeichert werden, die für Reichweitenmessung oder Marketingzwecke verwendet werden. Als „Third-Party-Cookie“ werden Cookies bezeichnet, die von anderen Anbietern als dem Verantwortlichen, der das Onlineangebot betreibt, angeboten werden (andernfalls, wenn es nur dessen Cookies sind spricht man von „First-Party Cookies“).
Wir können temporäre und permanente Cookies einsetzen und klären hierüber im Rahmen unserer Datenschutzerklärung auf.
Falls die Nutzer nicht möchten, dass Cookies auf ihrem Rechner gespeichert werden, werden sie gebeten die entsprechende Option in den Systemeinstellungen ihres Browsers zu deaktivieren. Gespeicherte Cookies können in den Systemeinstellungen des Browsers gelöscht werden. Der Ausschluss von Cookies kann zu Funktionseinschränkungen dieses Onlineangebotes führen.
Ein genereller Widerspruch gegen den Einsatz der zu Zwecken des Onlinemarketing eingesetzten Cookies kann bei einer Vielzahl der Dienste, vor allem im Fall des Trackings, über die US-amerikanische Seite http://www.aboutads.info/choices/ oder die EU-Seite http://www.youronlinechoices.com/ erklärt werden. Des Weiteren kann die Speicherung von Cookies mittels deren Abschaltung in den Einstellungen des Browsers erreicht werden. Bitte beachten Sie, dass dann gegebenenfalls nicht alle Funktionen dieses Onlineangebotes genutzt werden können.
Die von uns verarbeiteten Daten werden nach Maßgabe der Art. 17 und 18 DSGVO gelöscht oder in ihrer Verarbeitung eingeschränkt. Sofern nicht im Rahmen dieser Datenschutzerklärung ausdrücklich angegeben, werden die bei uns gespeicherten Daten gelöscht, sobald sie für ihre Zweckbestimmung nicht mehr erforderlich sind und der Löschung keine gesetzlichen Aufbewahrungspflichten entgegenstehen. Sofern die Daten nicht gelöscht werden, weil sie für andere und gesetzlich zulässige Zwecke erforderlich sind, wird deren Verarbeitung eingeschränkt. D.h. die Daten werden gesperrt und nicht für andere Zwecke verarbeitet. Das gilt z.B. für Daten, die aus handels- oder steuerrechtlichen Gründen aufbewahrt werden müssen.
Nach gesetzlichen Vorgaben in Deutschland, erfolgt die Aufbewahrung insbesondere für 10 Jahre gemäß §§ 147 Abs. 1 AO, 257 Abs. 1 Nr. 1 und 4, Abs. 4 HGB (Bücher, Aufzeichnungen, Lageberichte, Buchungsbelege, Handelsbücher, für Besteuerung relevanter Unterlagen, etc.) und 6 Jahre gemäß § 257 Abs. 1 Nr. 2 und 3, Abs. 4 HGB (Handelsbriefe).
Mit den nachfolgenden Hinweisen informieren wir Sie über die Inhalte unseres Newsletters sowie das Anmelde-, Versand- und das statistische Auswertungsverfahren sowie Ihre Widerspruchsrechte auf. Indem Sie unseren Newsletter abonnieren, erklären Sie sich mit dem Empfang und den beschriebenen Verfahren einverstanden.
Inhalt des Newsletters: Wir versenden Newsletter, E-Mails und weitere elektronische Benachrichtigungen mit werblichen Informationen (nachfolgend „Newsletter“) nur mit der Einwilligung der Empfänger oder einer gesetzlichen Erlaubnis. Sofern im Rahmen einer Anmeldung zum Newsletter dessen Inhalte konkret umschrieben werden, sind sie für die Einwilligung der Nutzer maßgeblich. Im Übrigen enthalten unsere Newsletter Informationen zu unseren Leistungen und uns.
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Der Versand des Newsletters erfolgt auf Grundlage einer Einwilligung der Empfänger gem. Art. 6 Abs. 1 lit. a, Art. 7 DSGVO i.V.m § 7 Abs. 2 Nr. 3 UWG oder falls eine Einwilligung nicht erforderlich ist, auf Grundlage unserer berechtigten Interessen am Direktmarketing gem. Art. 6 Abs. 1 lt. f. DSGVO i.V.m. § 7 Abs. 3 UWG.
Die Protokollierung des Anmeldeverfahrens erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen gem. Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Unser Interesse richtet sich auf den Einsatz eines nutzerfreundlichen sowie sicheren Newslettersystems, das sowohl unseren geschäftlichen Interessen dient, als auch den Erwartungen der Nutzer entspricht und uns ferner den Nachweis von Einwilligungen erlaubt.
Kündigung/Widerruf - Sie können den Empfang unseres Newsletters jederzeit kündigen, d.h. Ihre Einwilligungen widerrufen. Wir können die ausgetragenen E-Mailadressen bis zu drei Jahren auf Grundlage unserer berechtigten Interessen speichern bevor wir sie löschen, um eine ehemals gegebene Einwilligung nachweisen zu können. Die Verarbeitung dieser Daten wird auf den Zweck einer möglichen Abwehr von Ansprüchen beschränkt. Ein individueller Löschungsantrag ist jederzeit möglich, sofern zugleich das ehemalige Bestehen einer Einwilligung bestätigt wird.
Die von uns in Anspruch genommenen Hosting-Leistungen dienen der Zurverfügungstellung der folgenden Leistungen: Infrastruktur- und Plattformdienstleistungen, Rechenkapazität und Speicherplatz, Sicherheitsleistungen sowie technische Wartungsleistungen, die wir zum Zwecke des Betriebs dieses Onlineangebotes einsetzen.
Hierbei verarbeiten wir, bzw. unser Hostinganbieter Bestandsdaten, Kontaktdaten, Inhaltsdaten, Vertragsdaten, Nutzungsdaten, Meta- und Kommunikationsdaten von Kunden, Interessenten und Besuchern dieses Onlineangebotes auf Grundlage unserer berechtigten Interessen an einer effizienten und sicheren Zurverfügungstellung dieses Onlineangebotes gem. Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO i.V.m. Art. 28 DSGVO (Abschluss Auftragsverarbeitungsvertrag).
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